29. Jahrgang (2003), Heft 2 Eine neue Mikroökonomie? Rezension von: Jason Potts, The New Evolutionary Microeconomics. Comple­ xity, Competence and Adaptive Beha­ viour, Edward Elgar, Cheltenham 2001 , 256 Seiten, Paperback f25 . Die stets an der - seit den siebziger Jahren in der ökonomischen Diskus­ sion vorherrschenden - neoklassi­ schen Theorie geübte Kritik verdichte­ te sich in jüngerer Zeit immer mehr und gewann zuletzt nachgerade die Stärke eines Orkans. Dieser paradig­ matische Wandel fand seinen Nieder­ schlag in den Entscheidungen des Nobelpreiskomitees, welches in den letzten drei Jahren seine Auszeich­ nung durchwegs an Kritiker der Neo­ klassik verlieh (Akerlof, Spence und Stiglitz; Kahnemann usw.) . Auch an den U S-Universitäten vollzieht sich die Fachdiskussion immer stärker jen­ seits der Neoklassik. Freilich, die Stu­ denten haben nach wie vor diesen Stoff zu lernen , aus dem ganz einfa­ chen Grund , weil eine geschlossene Alternative dazu fehlt. Der zitierte kritische Orkan bläst nämlich aus vielen Windrichtungen. Die Heterodoxie erweist sich als äußerst vielgestaltig. Daher versucht der Autor dieses Buches zunächst, die Gemeinsamkeit al ler dieser Ansät­ ze herauszuarbeiten, in der Folge jedoch zu einer konzisen Mikroökono­ mie überzuleiten. Er stellt dieses Vor­ haben nicht deshalb unter den Titel einer evolutionären Ökonomie, weil er Parallelen zur Biologie unterstellt, es Wirtschaft und Gesellschaft geht ihm vielmehr um " . . . a dynamic logic of self-transformation . . . " . Dieser Begriff habe viel mehr mit Psycholo­ gie zu tun. Es gehe um den Fluss von Informationen, durch welche sich ein komplexes System , wie etwa ein Betrieb, endogen verändert. Die Kritik an der Neoklassik Tatsächlich führt Potts Kritik an der Neoklassik weit über die notorischen Einwände hinaus. Seine Überlegun­ gen basieren auf der Feldtheorie. Die­ ser physikal ische Ansatz versteht unter dem Feld jenen Raum, in wel­ chem sämtliche Punkte in gleicher Weise miteinander verbunden sind. Darin sieht er die Basis der Neoklas­ sik, weil nach deren Auffassung jede Aktion eines Wi rtschaftssu bjektes gleichzeitig und in gleicher Weise sämtliche andere betrifft. l n diesem Raum bleibt kein Platz für spezifische Beziehungen zweier Wirtschaftssub­ jekte. Darin kann beispielsweise kein Handel stattfinden, weil d ie Wirt­ schaftssubjekte, gegeben die Res­ sourcen und die Präferenzen, stets optimieren und sich damit das ganze System permanent im G leichgewicht befindet. Davon kann in der Realität natürlich keine Rede sein, denn die unter sehr unterschied lichen Bedingungen vor sich gehenden kommerziellen Trans­ aktionen betreffen stets nur einige Wirtschaftssubjekte. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass - gleich­ artige - Verbindungen zwischen den Wirtschaftssubjekten gegeben sind, sondern der Marktmechanismus stellt solche überhaupt erst her, wie die Österreichische Schule betont. Es ist aber diese Basis, auf welcher die Neoklassik ihre notorischen Axio- 335