Wirtschaft und Gesellschaft 30. Jahrgang (2004), Heft 1 Nach Stel lungnahmen der Kommission zu d iesen Anträgen, in denen die Fortschritte bei der Erfül lung der Kopenhagen-Kriterien analysiert und als zufrieden stellend eingeschätzt wurden, begannen ab 1 998 die Bei­ trittsverhandlungen mit d iesen Ländern sowie mit Malta und Zypern, wel­ che bereits 1 990 Beitrittsanträge gestellt hatten. Die Verhandlungen wur­ den für jedes Land in getrennten Beitrittskonferenzen geführt und waren in 31 Verhandlungskapitel strukturiert, welche im Wesentl ichen der Zu­ ständigkeitsgliederung in der Europäischen Kommission folgten. ln jedem Fal l wurden zunächst die unproblematischen Kapitel vorläufig abge­ schlossen und dann Schritt für Schritt d ie schwierigeren in Angriff ge­ nommen. Beim Europäischen Rat in Kopenhagen am 1 2 . und 1 3 . De­ zember 2002 wurden die Verhandlungen mit allen Partnern, mit Ausnah­ me von Rumänien und Bulgarien, erfolgreich abgeschlossen.3 Damit war die größte Erweiterungsrunde in der Geschichte der EU entschieden. Sie wird , gemeinsam mit den Ergebnissen der im Oktober 2003 begonnenen Regierungskonferenz, den künftigen Charakter der EU maßgeblich prägen. Als Beitrittsdatum wurde der 1 . Mai 2004 festgelegt. Bereits ab der Unter­ zeichnung des Beitrittsvertrages am 1 6. Apri l 2003 in Athen haben d ie neuen Mitglieder einen umfassenden Beobachterstatus in allen EU-Gre­ mien. Die folgende Darstel lung enthält eine Zusammenfassung und Bewer­ tung der Verhandlungsergebnisse aus wirtschaftspolitischer Sicht. Schwer­ punkte sind dabei die Vereinbarungen über die Einbeziehung der neuen Mitglieder in den Binnenmarkt und d ie auch in der öffentlichen Diskussion über die EU-Erweiterung immer wieder thematisierte Frage der budgetä­ ren Kosten . Bei der Behandlung der Agrar- und Strukturpolitik l iegt der Schwerpunkt auf haushaltsrelevanten Fragen. Auf die technischen Ein­ zelheiten der Einbeziehung der neuen Mitgl ieder in diese Polit iken wird nicht eingegangen. Kapitel 2 gibt einen Überblick über das Ergebnis der Beitrittsverhand­ lungen zu den Wirtschaftsthemen. Kapitel 3 enthält die Bewertung und Kapitel 4 einen Ausblick. 2. Darstellung der Ergebnisse 2.1 Überblick Wie in allen früheren Erweiterungsrunden sind die den neuen Mitglied­ staaten zugestandenen Übergangregelungen bei den binnenmarktrele­ vanten Bestimmungen, sowohl von der Anzahl als auch von ihrem Gel­ tungsbereich her, beschränkt geblieben. Vergleichsweise umfangreicher sind die Sondervereinbarungen bei den EU-Politiken ohne direkte Aus­ wirkungen auf den Binnenmarkt. Dabei war das Hauptmotiv in einigen Fäl­ len, die Anpassung der beitretenden Länder an das jeweilige EU-Regime 28