3 1 . Jahrgang (2005), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft ,Pattern Bargaining' als analytisches und empirisches Problem der Lohnpolitik Franz Traxler 1. Vorbemerkung l n der neueren Literatur zu den sozioökonomischen Effekten der I nsti­ tutionen der Lohnbildung wird überwiegend die Auffassung vertreten, dass Pattern Bargaining als eine spezifische Form koordinierter Lohnpolitik ver­ gleichsweise günstige makroökonomische Ergebnisse erbringt.1 Dass die Lohnbi ldung in Österreich dem Muster des Pattern Bargaining folgt, war bislang die übereinstimmende Auffassung zumindest der heimischen ein­ schlägigen Forschung.2 ln seiner rezenten Analyse weist Pollan (2004)3 al lerd ings beide Auffassungen dezidiert zurück. Darauf aufbauend for­ muliert er weit reichende Vorschläge zur Reform des Österreichischen Ta­ rif(Kollektiv)vertragssystems: "Thus, in the Austrian setting, a reduction in wage disparity, either by way of more centralised bargaining with empha­ sis on wage moderation and solidarity or by way of decentral isation by mo­ ving to productivity-based wages, is likely to achieve two goals: higher ef­ ficiency and more wage equality".4 Dies gibt Anlass für eine kritische Bestandsaufnahme, die folgende Ar­ gumentationsschritte umfasst: Zunächst wird das Konzept der makroöko­ nomischen Koordinierung unter besonderer Berücksichtigung von Pattern Bargaining diskutiert. Es folgt ein Überblick über die Literatur zu den mak­ roökonomischen Effekten alternativer Lohnverhandlungssysteme ein­ schließlich Pattern Bargaining. Abschließend wird der Frage nachgegan­ gen , inwieweit Pattern Bargaining tatsächlich die Tarifpolitik in Österreich anleitet. 2. Makroökonomische Lohnkoordinierung: Ziele, Mechanismen und der Status von Pattern Bargaining Die Koordinierung der Lohnabschlüsse ist von makroökonomischen Be­ lang, wenn sie ihrem Anspruch nach prinzipiel l a l le Arbeitnehmerkate- 17 1