Wirtschaft und Gesellschaft 31. Jahrgang (2005), Heft 2 gorien und alle Wirtschaftssektoren umfasst und ihrem tatsächl ichen Um­ fang nach jedenfalls so viele Arbeitnehmergruppen und Sektoren erfasst, dass sich daraus ein signifikanter Effekt auf makroökonomische Aggre­ gatgrößen (z. B. I nflation , Beschäftigung) ergibt.5 Aus analytischer Sicht gi lt es zwei wesentliche Koordinierungsziele zu unterscheiden, die hier als "moderierungsorientierte" und als "verteilungsorientierte" Koordinierung bezeichnet werden sol len. Im Zusammenhang mit der moderierungsorientierten Koordinierung geht es darum, die (prozentuellen) Lohnerhöhungsraten über die verschiede­ nen Arbeitnehmerg ruppen und Sektoren so aufeinander abzustimmen, dass daraus ein günstiger Effekt für Preisstabilität und Beschäftigung re­ sultiert. Im Einklang mit dieser Zielsetzung wird dieser Koordin ierungs­ prozess zuweilen auch als "Lohnmoderierung" bezeichnet. Im Vergleich dazu bezieht sich die verteilungsorientierte Koordinierung auf die Lohnstrukturpolitik. Das Koordinierungsziel ist h ier die N ivellierung der Lohnstruktur; dessen Konkretisierung steht in Abhängigkeit von dem jeweils vertretenen Gleichheitsprinzip (z. B. gleicher Lohn für gleiche Leis­ tung; Minimierung jeglicher Lohnunterschiede). Von makroökonomischer Relevanz ist d ie verteilungsorientierte Koordin ierung al lerdings nur dann, wenn sich mit dem jeweiligen Gleichheitsprinzip ein universeller (d. h . auf al le Arbeitnehmerkategorien über al le Sektoren bezogener) Geltungsan­ spruch verbindet. Bei der moderierungsorientierten Koordinierung und der vertei lungs­ orientierten Koordinierung handelt es sich um voneinander unabhängige Zielsetzungen insofern, als Koordinierungsbemühungen in der einen Di­ mension die Lohnbildungseffekte in der anderen Dimension in keiner Weise präjudizieren. So ist z. B. eine Spezifikation der moderierungsorientierten Koordinierung die "kostenniveauorientierte" Lohnpolitik. Als Makrokonzept verstanden stellt sie darauf ab, die Lohnstückkosten für die Volkswirtschaft insgesamt konstant zu halten, indem sich die Lohnerhöhungsraten neben der I nflation und den Wechselkursparitäten primär an der Produktivitäts­ entwicklung orientieren. Da aus der Makroperspektive nur die Aggregat­ effekte aller Lohnabschlüsse interessieren, sind mit d iesem Konzept ein breites Spektrum unterschiedlicher verteilungspolitischer Ergebnisse ver­ einbar. Deren Extreme bilden die einheitliche Erhöhung der Löhne für al­ le Arbeitnehmerg ruppen und Sektoren im Ausmaß des gesamtwirt­ schaftlichen Produktivitätswachstums einerseits; sowie die nach den Be­ trieben differenzierte Lohnerhöhung auf der Grundlage deren Produktivi­ tätsentwicklung andererseits. Im Einklang damit können auch d ie für die einzelnen Arbeitnehmergruppen und Sektoren vereinbarten Lohnerhö­ hungsraten stark um den Mittelwert (dessen zentrale Referenzgröße das volkswirtschaftliche Produktivitätswachstum ist) streuen. Umgekehrt muss die verteilungsorientierte Koordinierung nicht notwendig den Ansprüchen 1 72