Wirtschaft und Gesellschaft 31. Jahrgang (2005), Heft 2 ge, inwieweit d ie in zentral isierten Systemen aus den oben skizzierten Gründen besonders virulenten Lohnstrukturkonfl ikte zugunsten der Be­ dachtnahme auf Inflation und Beschäftigung eingedämmt werden können. Diese Relativierung der Leistungsfähigkeit zentral isierter Systeme wurde in der jüngeren empirischen Forschung in dreierlei H insicht ausgearbei­ tet: • Die Effekte des Zentralisationsgrads werden entscheidend durch das Kräfteverhältnis zwischen dem weltwirtschaftlich exponierten und dem geschützten Sektor beeinflusst. Dominiert der geschützte Sektor, ver­ schlechtert sich mit wachsendem Zentral isationsgrad die l nternal isie­ rungsfähigkeit, da unter d ieser Bedingung die Möglichkeit des ge­ schützten Sektors, die Folgen der Lohnabschlüsse zu externalisieren, die zentralisierte Tarifpolitik insgesamt anleitet,24 • Die Effektivität zentralisierter Tarifsysteme steht in Abhängigkeit von deren strukturell (im Arbeits- und Tarifrecht) begründeten Fähigkeit, d ie Lohnbi ldung auf den nachgeordneten Ebenen zu kontroll ieren . Man­ gelt es an d ieser Fähigkeit, nimmt die I nternalisierungsfähigkeit signi­ fikant mit wachsendem Zentralisationsgrad ab, da dann die immanen­ ten Lohnstrukturkonflikte auf den nachgeordneten Ebenen in einer Weise ausgetragen werden , die die zentralen Abschlüsse konterka­ riert. 25 • Eine konzessive Geldpolitik erweist sich als hi lfreich , wenn es darum geht, die Lohnstrukturkonfl ikte zentral isierter Tarifabschlüsse zu ent­ schärfen. Da dezentral koordinierte Systeme im Vergleich dazu weni­ ger Lohnstrukturkonflikte generieren, interagieren sie besser als zent­ ralisierte Systeme mit einer konservativen Geldpolitik (wie sie für das gegenwärtige monetaristische, angebotsorientierte Wirtschaftsregime kennzeichnend ist) .26 Diese Befunde unterstreichen die komparativen Vorteile von Pattern Bar­ gaining: Es ist ein Arrangement dezentraler Lohnkoordinierung; in der Pra­ xis g i lt zusätzl ich für a l le Länder (Japan , Deutschland, Österreich und Schweden seit Mitte der neunziger Jahre) , in denen es institutional isiert ist, dass der exponierte Sektor (repräsentiert durch die Metallindustrie bzw. durch die Sachgüterindustrie insgesamt) als Lohnführer fungiert. Länder vergleichende empirische Studien bestätigen diese Vorteile h insichtl ich der Dämpfung der Lohnstückkostenentwicklung, der I nflation und der Be­ schäftigung im Verhältnis zu alternativen Lohnverhandlungssystemen .27 Welche Einwände werden demgegenüber von Pollan (2004) vorgebracht? Eine sehr grundlegende Kritik richtet sich gegen die "subjektive" Klassifi­ kation der Tarifsysteme, wie sie für die Debatte generell kennzeichnend sei. Für Österreich werde ohne empirischen Beleg die Existenz von Pat­ tern Bargaining einfach behauptet,28 Ohne hier d ie Schwierigkeiten in der Länderklassifikation leugnen zu wol len, lässt d iese pauschale Kritik ein 1 78