Wirtschaft und Gesellschaft 31. Jahrgang (2005), Heft 2 Ein weiteres Problem der Studie von Pollan ist, dass seine deskriptiv­ statistische Analyse kausale Schlussfolgerungen nicht zulässt. Beobach­ tungen zur Entwicklung der Lohnspreizung und der tariflichen Lohnerhö­ hungen in Österreich bieten keine Evidenz zum spezifischen Beitrag von Pattern Bargaining an d ieser Entwicklung. Aus den oben angeführten Gründen erübrigt sich die nähere Betrachtung dieser Frage für d ie Lohn­ spreizung, für die Lohnmoderierung ist sie jedoch für die Beurtei lung der Effektivität von Pattern Bargaining essenziel l . Pol lan, der sich mit d ieser Frage nicht systematisch beschäftigt, gestattet sich dazu immerhin die Be­ merkung, dass die hohen Lohndifferenziale in Österreich Anlass zu Zwei­ fel daran geben , dass der Hochlohnsektor (und damit letztlich d ie lohn­ führende Metal l industrie, F.T.) tatsächlich eine Pol itik der Lohnmoderie­ rung praktiziert (2004:99f) . Dazu ist zunächst anzumerken, dass mit den Daten einer auf Österreich beschränkten Längsschnittanalyse der Löhne, wie sie Pollan vorliegt, der kausale Beitrag von Pattern Bargaining nicht ermittelt werden kann. Dies liegt an der langfristigen Stabil ität dieses Ko­ ordinierungsmusters,48 die zur Folge hat, dass es als Prädiktor für die kurz­ und mittelfristige Varianz in der Lohnentwicklung ungeeignet wird . Da die Lohnverhandlungssysteme - wie institutionelle Arrangements jeder Art ­ auch in anderen Ländern ein hohes Maß an Kontinu ität aufweisen , kann deren spezifischer (langfristiger) Einfluss49 auf die Lohnentwicklung nur im Rahmen eines internationalen Vergleichs auf der Grundlage eines kom­ binierten Zeitreihen- und Querschnittsmodells empirisch überprüft wer­ den. Analysen dieser Art, d ie Pattern Bargaining mit alternativen Lahn­ verhandlungssystemen vergleichen, belegen einen signifikant günstigen Einfluss von Pattern Bargaining auf d ie Lohn(stück)kostenentwicklung, die Beschäftigung, und d ie Preisstabi l ität 5° Daraus lässt sich auf einen lohnmoderierender Effekt von Pattern Bargaining auch für Österreich schließen. Damit in Einklang stehen auch Studien zur Lohnstückkasten­ position der I ndustrie, die Österreich eine im Vergleich zu den Handels­ partnern langfristig günstige Entwicklung zubil ligen .51 5. Schlussbemerkung Die Studie von Pollan (2004) bietet einen i nformativen E inblick in d ie Lohnentwicklung , deren Ergebnisse frühere Studien bestätigen : Dass Österreich ein relativ hohes Maß an intersektoralen Lohndifferenzialen aufweist, ist durch frühere komparative Untersuchungen gut dokumen­ tiert.52 Aber aus d iesem Tatbestand - wie Pollan - Schlussfolgerungen auf die Existenz bzw. Effektivität von Pattern Bargaining in Österreich ab­ zuleiten, ist aus den oben ausgeführten theoretischen und methodischen Gründen unzulässig. Dementsprechend sind auch seine eingangs zitier­ ten politischen Empfehlungen , das Österreichische Tarifsystem entweder 188