Wirtschaft und Gesellschaft 31. Jahrgang (2005), Heft 2 nalkosten noch durch den Wert der produzierten Güter oder Leistungen gedeckt werden. Folglich wirkt ein hohes Nominallohnniveau negativ auf d ie Beschäftigungschancen von Arbeitnehmerinnen mit niedrigem Grenz­ produkt und verringert damit die Stabil ität (im Sinne einer durchgängigen Erwerbskarriere) der Beschäftigung. Wird dieser Model lrahmen um zu­ sätzl iche Aspekte wie beispielsweise Weiterb i ldungsmögl ichke iten er­ weitert, ergeben sich al lerd ings vielfältige Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Qual itätsmerkmalen von Arbeit. Wie Tabelle eins zeigt, besteht im Querschnitt der in diesem Kapitel be­ trachteten Theoriestränge ein leichtes Überwiegen jener Mechanismen, die auf eine Vereinbarkeit eines hohen Niveaus von mehreren Qualitäts­ aspekten hinweisen (in der Tabelle mit "+" gekennzeichnet) . Effizienzlohn­ und Humankapitaltheorie26 weisen Paaren von Qual itätsaspekten ten­ denziell eine positive Beziehung bzw. eine Vereinbarkeit miteinander zu , sofern sie Aussagen über die Beziehung der entsprechenden Variablen­ Paare überhaupt zulassen. Die Tabelle enthält lediglich drei Minus-Zeichen als Symbol für die gegen­ läufige Wirkung zweier Qualitätsaspekte, die nicht durch kompensieren­ de Lohndifferenziale erklärt werden, näml ich die bekannte negative Be­ ziehung zwischen Beschäftigungs- und Lohnhöhe im neoklassischen Stan­ dardmodell , die bei Lohnschwankungen zu Beschäftigungsanpassungen und damit geringer Stabil ität führt, eine negative Wirkung auf die intrinsi­ sche Qual ität durch Kontrolleffekte bei Effizienzlöhnen und eine negative Wirkung auf die Beschäftigungsstabil ität bei hohem allgemeinen Human­ kapital (die aber als höhere arbeitnehmerinduzierte Mobil ität positiv zu interpretieren ist) . Somit sind die negativen Beziehungen zwischen Qua­ l itätsaspekten wohl als etwas weniger gut abgesichert anzusehen als die positiven Beziehungen , die sich zwar bei weitem nicht zwischen allen Va­ riablen-Paaren, aber abgesichert durch mehrere theoretische Ansätze bzw. Kausalketten darstellen . Nicht zuletzt, da einzelne Theorien in der Regel nur zur Erklärung der Beziehungen zwischen einzelnen Variablen-Paaren herangezogen wer­ den können, ist eine al lgemeine Aussage zur Vereinbarkeit von Qual itäts­ aspekten schwierig . Die Effizienzlohntheorie macht besonders deutlich, dass es verfehlt wäre, von einem homogenen Qualitätsbegriff auszuge­ hen: Je nachdem, wie begründet wird , warum die Lohnhöhe sich auf d ie Produktivität der Arbeitnehmeri nnen auswirkt, kann sich eine unter­ schiedl iche Wechselwirkung mit anderen Qualitätsaspekten wie der in­ trinsischen Qualität der Arbeit ergeben. Im Folgenden wird ausgeführt, wie d ie Arbeitsmarkttheorien d ie in der Übersichtstabelle dargestellten Bezie­ hungen begründen . 204