Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 befinden der Menschen auswirkt. Es ist also mehr als fraglich , ob die Substitution von Freizeit für Konsum mancher ökonomischer Modelle die Situation Arbeitsloser tatsächlich richtig beschreibt. Eine umfassende Studie des deutschen Bundesministeriums für Ar­ beit und Soziales kam zum Schluss, dass in keinem von fünfzehn un­ tersuchten Industriestaaten die Aufgabe gelungen ist, einerseits eine sozialpol itisch erwünschte Absicherung des sozio-kulturellen Existenz­ minimums auch ohne Erwerbstätigkeit zu garantieren und andererseits im Niedriglohnbereich durchgehend monetäre Arbeitsanreize zu ge­ währleisten. Die staatliche Garantie eines sozio-kulturellen Existenz­ minimums ist regelmäßig und sinnvollerweise bedürftigkeitsabhängig und daher mit dem sukzessivem Entzug der staatl ichen Leistungen bei zunehmenden Erwerbseinkommen verbunden. Zwar mag in einzelnen Einkommensbereichen durch Kombilöhne eine Verbesserung der mo­ netären Anreize möglich sein , damit korrespondiert jedoch regelmä­ ßig eine Reduzierung der monetären Arbeitsanreize an anderer Stelle, durch Einschleifregelungen beim Kombilohn. Die untersuchten Leistungen s ind in das jeweil ige Wohlfahrtsstaat­ konzept integriert, sodass es aus einer internationalen Zusammen­ schau kaum Erkenntnisse für Möglichkeiten einer Verbesserung des Steuer-Transfer-Systems eines einzelnen Staates geben kann. Für den Arbeitsmarkt scheint sich abzuzeichnen , dass auf Zielgruppen fo­ kussierte und zeitl ich begrenzte Maßnahmen deutlich weniger Risiko und höhere Erfolge bringen . Als I nstrument einer aktiven Arbeitsmarktpolitik können Lohnsub­ ventionen einen Beitrag leisten, als Königsweg in die Gesellschaft der Freien und Gleichen taugen sie ebenso wenig wie alle anderen Kon­ zepte, die mit einer einzigen Maßnahme alle gesellschaftlichen und wirtschaftl ichen Probleme lösen wollen. 442