.----------------------------------- ---- --- Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 zurückgedrängt werden? ln vielen Fällen lassen sich durchaus vorhande­ ne standortbedingte Kostennachteile durch Leistungsvorteile aus höherer Produktivität und Innovation kompensieren. Der Dreh- und Angelpunkt l iegt dabei in der effizienteren Gestaltung der Wertschöpfungskette durch das Unternehmen: "Die Fähigkeit zur Gestaltung und Koordination glo­ baler Wertschöpfungsstrukturen wird zur Schlüsselkompetenz der Wert­ schöpfungsgestaltung von Unternehmen" . 1 1 l n d iesem Kontext ist das in­ ternationale Management gefordert - auch um zu prüfen, ob und wie sich die jeweil ige Wertschöpfungskette überhaupt zu einer internationalen "Aufspaltung" ("Siicing up the value added chain" - P Krugman) eignet. Mit anderen Worten: eine rein kostenorientierte Sicht der komplizierten Problematik internationaler Standortverlagerungen reicht nicht, greift zu kurz, weil dies der Vielfalt der Motive und Effekte (markt-, kunden-, kos­ tenorientierte) von Verlagerungen nicht entspricht: "Relocation has to be evaluated in a wider perspective spanning firms, both foreign investors and non investors, and sectors. lt can thus only be evaluated meaningful ly in the context of structural change and growth of the entire economy."12 l n diesem Kontext ist auch die in Deutschland von H . W. Sinn aufge­ stel lte These einzuordnen, wonach die deutsche Wirtschaft nur noch eine "Basarökonomie" darstelle und eine Produktion am Standort Deutschland somit wenig Perspektiven habe. 13 Diese Auffassung übersieht, dass in der Praxis die markt- und kunden­ orientierten Motive ein großes Gewicht haben, wenn Unternehmen Produkt­ verlagerungen planen: "Such views ("bazar economy") are mostly based on the assumption that costmotivated investments (relocation) are domi­ nating the market oriented ones."14 Im Übrigen wird d ies auch empirisch belegt, denn mehr als 86% der deutschen Direktinvestitionen im Ausland, die mit Standortverlagerungen oder neuen Kapazitäten verbunden sind, gehen nicht in die Niedriglohn-Länder; sondern in hoch entwickelte lndust­ rieländer, wo Kostenaspekte als Motive nicht dominant sind . Natürlich bleibt unbestritten , dass die Unternehmensgröße hierbei eine g roße Rolle spielt - etwa nach der Faustformel : Je kleiner die Unternehmen (KMU), desto stärker das Gewicht der rein kostenorientierten Verlagerungen. Dagegen dominieren bei den Großunternehmen stärker die markt- und kundenorientierten Verlagerungen: "Activities from multinational firms are more dominant in technology-intensive industries, where costsaving mo­ tives may be less important." 15 Gerade in d iesem Bereich hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessert.16 Es gi lt zu beachten, dass die Debatte um Produktionsverlagerungen - im Unterschied zu anderen EU-Staaten - in Deutschland besonders in­ tensiv geführt wird . So hat die Diskussion um "mangelnden Patriotismus" der Unternehmen jedoch eher Ängste geschürt, 17 als klare ökonomische Zusammenhänge vermittelt. Anstelle populistischer Thesen im Rahmen 446