Wirtschaft und Gesellschaft der Forschungsfrage sowie eine Dis­ kussion der Ergebnisse. Abschnitt 5 fasst die wesentlichen Punkte zusam­ men. 2. Formen der Bestimmung von Mindestlöhnen Bei Betrachtung der verschiedenen Wohlfahrtssysteme in Europa ist fest­ zustellen , dass die Länder eine un­ terschiedliche institutionelle Gestal­ tung hervorgebracht haben, um die soziale Sicherheit eines Individuums gewährleisten zu können. Esping-An­ dersen (1 990) entwickelte durch den Vergleich von sozialen Rechten und wohlfahrtsstaatliehen Institutionen in den einzelnen Ländern eine Typologie von Woh lfahrtsstaaten , in die sich die westeuropäischen Länder grob einord­ nen lassen. Kriterium dabei war die Verteilung der sozialen Aufgaben zwi­ schen Staat, Markt und Familie.3 Während das Hauptaugenmerk die­ ser Typologie auf jene Leistungen gerichtet ist, die darauf abzielen , die wirtschaftl iche und soziale Situati­ on von Personen zu verbessern, die auf Grund von Alter, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Behinderung in der Ge­ sellschaft benachteiligt sind, betrach­ tet ein neuerar Strang der Literatur den Arbeitsmarkt. So entwickelt Bo­ noli (2003) eine auf die Absicherung von Mindestlöhnen bezogene Typolo­ gie europäischer Wohlfahrtsstaaten . Das Einkommen am Arbeitsmarkt trägt bei vielen I ndividuen wesentlich zu sozialer Sicherheit bzw. zu einem ausreichenden Lebensstandard bei . l n Europa gibt es verschiedene Me­ chanismen, die den Lohnsatzungs­ prozess beeinflussen und einen durch das Marktergebnis hervorgerufenen Lohn verhindern, der zu niedrig ist, um ein menschenwürdiges Leben führen 532 32. Jahrgang (2006), Heft 4 zu können. Bonoli unterscheidet hier­ zu drei Möglichkeiten , die in der Folge kurz dargestellt werden:4 1 . Arbeitsgesetzliche Bestimmungen: Hier werden gesetzliche Mindest­ löhne festgelegt, die eine Schran­ ke darstel len , unter die Löhne nicht fallen dürfen . 2. Kollektivverhandlungen: Kollektiv­ vereinbarungen stellen hier Min­ destlöhne für Arbeitnehmerlinnen sicher. Ergebnis dieser Verhand­ lungen können sowohl nationale Mindestlöhne als auch Mindestlöh­ ne, die jeweils spezifisch für eine Branche oder eine Berufsgruppe gelten, sein . 3 . Nachträgliche Korrektur des Marktes: Hier wird das Markt­ ergebnis ex ante weniger stark beeinflusst. Die Ressourcenallo­ kation am Markt soll ungehindert stattfinden können. Vielmehr wird versucht, unerwünschte, d. h. zu niedrige Ergebnisse ex post durch ein umverteilendes Steuersystem zu korrigieren. Bonoli ordnet die westeuropäischen Länder, ähnlich wie Esping-Andersen (1 990), in Länderblöcke. Ihm zufolge sind vor allem im Mittelmeerraum, d . h . in Frankreich, Spanien und Portu­ gal, gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeitnehmerinnen vorherr­ schend. Kollektivverhandlungen zwi­ schen Sozialpartnern finden vor allem in den skandinavischen sowie den mit­ teleuropäischen Ländern statt. l n den angelsächsischen Ländern hingegen wird in den Arbeitsmarkt vergleichs­ weise wenig eingegriffen.5 G leichzeitig muss jedoch festgestellt werden, dass eine so eindeutige Zuordnung von Län­ dern sehr stark vereinfachend ist, da es unterschiedl iche Möglichkeiten gibt, die drei oben beschriebenen Mecha­ n ismen zur Sicherstellung eines Min-