Wirtschaft und Gesellschaft Voraussetzung für eine entsprechende Integration in den heimischen Arbeits­ markt dar. ln einigen der analysierten Stellenausschreibungen werden zufrie­ den stellende Deutschkenntnisse ex­ pl izit von den Unternehmen angeführt. Diese explizite Forderung deutet da­ rauf h in , dass den Unternehmerinnen bewusst ist, dass sich Personen mit Migrationshintergrund für diese Stelle bewerben könnten. Gleichzeitig kann sie jedoch als Indikator für schlechte diesbezügliche Erfahrungen der Un­ ternehmen in der Vergangenheit bzw. bestehende Vorurteile gesehen wer­ den. Nicht ausreichende Deutsch- bzw. Rechtschreibkenntnisse dürften den Einsatz von Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund wesentlich er­ schweren, da für die Wiener Unter­ nehmen die gute Kenntnis der Spra­ che des jeweil igen Herkunftslandes als eines der größten Potenziale der Zielgruppe nur dann wirklich nutzbar ist, wenn jemand zusätzlich über gute Deutschkenntnisse verfügt. Für Mig­ rantlnnen erweist sich daher das ra­ sche Erlernen der deutschen Sprache als zentraler Erfolgsaspekt, denn ohne oder mit nur wenig Deutschkenntnis­ sen ist es de facto unmöglich, in einem hoch qualifizierten Arbeitsbereich ein­ zusteigen (außer in jenen Branchen und Betrieben, in denen vorwiegend englisch gesprochen wird, z. B. EDV­ Branche). Die Forderung vieler Arbeitgebe­ rlnnen, akzentfreies Deutsch zu be­ herrschen, ist vor allem von Personen der ersten Generation nur schwer er­ füllbar und behindert ihren Einsatz für qualifiziertere Tätigkeitsbereiche. Bei Vorstellungsgesprächen kann bei Ar­ beitgeberlnnen - weil die Migrantlnnen kein akzentfreies Deutsch sprechen - der Eindruck entstehen, dass sie nicht 550 32. Jahrgang (2006), Heft 4 ausreichend fachlich kompetent und qualifiziert genug für die angestrebte Tätigkeit seien. Besteht beim Arbeitge­ ber dieses Vorurteil , ist das entweder eine unüberwindbare Schwelle beim Eintritt in das Unternehmen, oder die Personen werden deutlich unter ih­ rem Qualifikationsniveau beschäftigt. Entscheidend für die Karriere dürfte aber auch das Selbstverständnis sein , mit dem eine Person ohne perfekte Deutschkenntnisse Deutsch spricht. Für eine Beschäftigung in internati­ onal tätigen Unternehmen werden von Seiten der Unternehmerinnen zusätz­ lich gute bis perfekte Engl ischkennt­ nisse gefordert. Es zeigt sich damit die Notwendigkeit einer Ergänzung der sprachlichen Fäh igkeiten in Richtung Multi l ingualität, um das vorhandene Potenzial an Sprachkenntnissen ent­ sprechend nutzbar zu machen. Vor­ teile haben hier Personen der zweiten Generation bzw. generell jüngere Per­ sonen, die mit Engl isch als Fremdspra­ che in der Schule aufgewachsen sind oder Sprachaufenthalte absolviert ha­ ben. 4.3 Interkulturelle Kompetenzen Bei der Besetzung von Positionen in Zusammenhang mit grenzüberschrei­ tenden Aktivitäten sind Personen mit Migrationshintergrund gegenüber Ös­ terreicherinnen insofern im Vortei l , a ls dass sie sowohl mit den ihrem Heimatland herrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen und Geschäfts­ praktiken als auch mit den mit der Mentalität und Kultur verbundenen Eigenheiten vertraut sind. I nsbeson­ dere Personen der ersten Generation verfügen über das nötige kulturelle und wirtschaftliche H intergrundwissen bzw. soziale und wirtschaftliche Netz­ werke im Herkunftsland, die für die Be-