Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 BÜCHER Der industrielle Aufbruch Österreichs Rezension von: Ferdinand Lacina, Dionys Lehner, Peter Mitterbauer, Andreas Resch, Die ergriffene Chance. Österreichische Industriegeschichte 1 955 bis 2005, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2005, 343 Seiten, € 48. Rechtzeitig zum "Gedankenjahr" erschien der dritte Band des Projekts "Öster­ reichische lndustriegeschichte". Rechtzeitig deshalb, weil sie den Kernprozess der imponierenden Entwicklung von Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft - die industrielle Expansion - seit dem Staatsvertrag beschreibt. Und diesmal trifft, im Gegensatz zum zweiten Band ("Die verpasste Chance"), 1 auch der Titel zu. Tatsächlich kann man in dieser Periode von einer "ergriffenen Chance" sprechen, denn es waren nicht nur relativ günstige äußere Faktoren, welche die Entwick­ lung vorantrieben, sondern ebenso sehr solche der Wirtschafts- und Sozialpoli­ tik. Und das imponierende Aufholen, welches Österreich von einem Nachzügler der westlichen Wirtschaft zu einer Spitzenposition führte, erweist sich als umso eindrucksvoller, als sich im Laufe dieses Prozesses gravierende Strukturände­ rungen in allen gesellschaftlichen Bereichen ergaben, welche fast ohne Frikti­ onen bewältigt werden konnten. l n Präsentation und Aufbau hält sich auch der dritte Band an das nunmehr be­ währte Schema. Die Ausstattung des Buches genügt höchsten Anforderungen, die Qualität der Fotografien sticht ins Auge. Der Text enthält keine Fußnoten, wodurch der eher populäre Charakter der Edition unterstrichen werden soll . Am Anfang steht eine kurze, aber pointierte Zusammenfassung, ihr folgen die "Aspekte", also die Charakteristika der Entwicklung dieser Periode, ferner die einzelnen Branchen sowie Unternehmungen, ein internationaler Vergleich, eine Evaluierung der Österreichischen Wirtschaftswissenschaft. Abgeschlossen wird das Buch mit einem Ausblick. Gerade die Darstellung der für den untersuchten Zeitabschnitt charakteristi­ schen Aspekte vermittelt dem Leser die nicht so verbreitete Erkenntn is, dass das letzte halbe Jahrhundert fundamentale Wandlungen in technischer sowie organisatorischer Hinsicht und damit auch der ökonomischen Strukturen mit sich gebracht hat. Das historisch einmalige Wirtschaftswachstum wurde nach wie vor durch die industrielle Expansion angetrieben. Diese determinierte auch die Ent­ wicklung in den anderen Sektoren, welche damit, in positiver wie negativer Wei­ se, tief greifenden Strukturänderungen unterworfen waren. Wachstumsmotor Industrie Das gi lt etwa für die "Industrialisierung der Landwirtschaft", welche gewaltige Produktivitätssteigerungen erzielte, was freilich bei stagnierender Nachfrage zu 560 - ----- -- -------------------------