32. Jahrgang (2006), Heft 4 mehr zur Kaufempfehlung bereit als ferner stehende Analysten . Das führte u . a. auch nach dem Börsengang von Premiere TV zu hitzigen Diskussionen in Deutschland. Vieles, was Elmenhorst und Kramer darlegen, kommt dem wirtschafts­ geschichtlich Interessierten ziemlich bekannt vor. Ist n icht "gefärbte" Infor­ mation immer schon ein unausrott­ barer Bestandteil des Börsengesche­ hens gewesen, und das speziell in Phasen, in denen spekulative Blasen schon knapp vor dem Platzen stehen, die gut Informierten längst ans Ver­ kaufen denken und erste Warnungen durch immer schril lere Meldungen in den Medien übertönt werden sollen? Hat man nicht sogar in den Monaten vor dem Wiener Krach von 1 873 "un­ abhängigen" Journal isten unter der Hand Aktienpakte von Unternehmen zugeschanzt, die zunächst hochgeju­ belt wurden und sich bald darauf als Gründungsschwindel entpuppten? Elmenhorst und Kramer offerieren letztlich eine Lösung für das Problem -- -- -- Wirtschaft und Gesellschaft der abhängigen Analysten , nämlich die Entgeltlichkeil und damit (erhoffte) größere Unabhängigkeit des von den Analysten betriebenen "Research". Wer Charles Kindlebergers Klassiker "Manias, Crashes and Panics" gele­ sen hat, wird freil ich ein wenig skep­ tisch bezüglich der Realisierbarkeil einer solchen Objektivierung sein . Zu groß sind die Vorteile, die, wenigstens kurzfristig, aus "gefärbter" Information zu lukrieren sind. Gottlob gibt es aller­ dings, inmitten der dubiosen Triumph­ berichte, auch das eine oder andere "negativistische" Medium a Ia "Spie­ gel", das rechtzeitig Alarm schlägt. Das schmale, aber gehaltvolle Buch widmet sich Fällen von "Paradeunter­ nehmen" und erklärt viele Fachaus­ drücke der Börsianersprache. Leider klammert es aber die einschlägige his­ torische Erfahrung - zu der etwa auch gehört, das nach einem großen Crash regul iert, und in der Euphorie des Superbooms wieder dereguliert wird - aus dem Betrachtungshorizont aus. Robert Schediwy 591