33. Jahrgang (2007), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 493 nicht durch den „Gegensatz“ von Arbeit und Kapital konstituiert – der stellt eher eine Friktion in seiner Entwicklung dar –, sondern durch die Trennung der bei- den: also die Konzentration von Kapital auf der einen und das Vorhandensein eines Angebots an unselbständigen Arbeitskräften auf der anderen Seite. Natürlich konnten die Mönche nicht auf die Resultate der wissenschaft- lichen Revolution zurückgreifen. Na- gel weist jedoch selbst wiederholt darauf hin, dass ihnen eine Pionier- rolle in der Anwendung des zeitge- nössischen technischen Fortschritts zukam. Hier kann man sogar eine ge- wisse Ähnlichkeit sehen. Und damit nähert man sich eigentlich der zentra- len Frage: Beeinflussten die Zisterzi- enser durch ihr quasikapitalistisches Verhalten den protokapitalistischen Entwicklungsprozess? Nagel scheint dies implizit zu bejahen, wenn er da- rauf hinweist, dass die Arbeitstech- niken der Mönche auf die Agrarwirt- schaft generell ausstrahlten. Zwar enthält die Arbeit keine empirischen Belege dafür, doch liegt dieser Schluss nahe. Weiters könnte man überlegen, ob der Absatzorganisation, den Ver- kaufshöfen, nicht Vorbildcharakter für den internationalen Handel im Mittel- alter zukam. Jedenfalls fanden sich solche Verkaufsniederlassungen fast in allen größeren Städten. Der Autor stellt mehrmals die Dyna- mik der Zisterzienser dem statischen Verhalten der Zünfte gegenüber. Auch diese Überlegung trifft grundsätzlich zu. Die Zünfte leisteten nur insofern ei- nen Beitrag zum kapitalistischen Ent- wicklungsprozess, als sie selbstverwal- tete Körperschaften repräsentierten, mit vielen individuellen Rechten. Die Träger des protokapitalistischen Fort- schritts waren aber nicht sie, sondern der überregionale Handel. Hier ent- wickelte sich der Typ des Kapitalisten, also jener Person, welche die Produk- tionsfaktoren kombiniert, um Einkom- mensmaximierung zu erzielen, und zwar unter Einsatz des technisch-or- ganisatorischen Fortschritts, mit wohl- definierten Eigentumsrechten agie- rend. Aus dieser Bevölkerungsgruppe entstanden, wenngleich mit wechseln- den regionalen Schwerpunkten, die Unternehmer des Industriezeitalters. Schon Sombart hat diese Entwicklung herausgearbeitet – und daher den An- satz Max Webers als unzutreffend ab- gelehnt. Daneben blieben die Zisterzi- enser eine – interessante – Episode, die nichtsdestoweniger dem protoin- dustriellen Entwicklungsprozess wich- tige Impulse vermittelte. Ein äußerst verdienstvolles Buch, das die wirtschaftshistorische Diskus- sion belebt. Felix Butschek