Wirtschaft und Gesellschaft 33. Jahrgang (2007), Heft 3 494 W�rdigung eines �Staatskapitalisten� Rezension von: Hannes Androsch, Anton Pelinka, Manfred Zollinger (Hrsg.), Karl Waldbrunner. Pragmatischer Vision�r f�r das Neue �sterreich, Carl Gerolds Sohn Wien 2006, 375 Seiten. Karl Waldbrunner (1906-1980) war einer der profiliertesten und f�higsten Politiker der �sterreichischen Zweiten Republik, aber mit ihm war offenbar nicht immer gut Kirschen essen. Eine gewisse Strenge und Unnahbarkeit vermerken selbst die prominenten Zeitzeugenberichte am Ende des vor- liegenden Buches � zugleich wird aber doch deutlich, wie sehr das Arbeiter- kind Waldbrunner in Kreisen seiner Partei Respekt und Bewunderung ge- noss. Karl Waldbrunner studierte 1924 bis 1930 an der Wiener Technischen Hochschule, wurde v�terlich gef�rdert vom Gewerkschafter Karl Maisel, ging als junger Ingenieur w�hrend der Welt- wirtschaftskrise 1932-37 in die Sowjet- union, heiratete eine Schweizerin, ar- beitete, wegen seiner Zeit in Russland misstrauisch be�ugt, aber im Gro�en und Ganzen in Ruhe gelassen, in der NS-Zeit als Ingenieur im Kraftwerks- wesen und in der Industrie und baute als Minister (1949 bis 1962) sein viel bewundertes, viel gescholtenes, heute l�ngst Geschichte gewordenes �K�- nigreich Waldbrunner� auf. Als Pr�sident des BSA (1951-72) versuchte Waldbrunner mit einer Per- sonalpolitik, die auch minder Belas- teten des �nationalen Lagers� eine T�re �ffnete, der Dominanz des ka- tholisch-konservativen CV wenigstens bez�glich der verstaatlichten Industrie entgegenzuwirken, und er machte sich dadurch viele Feinde. Wahrscheinlich w�re der gewerk- schaftsnahe Machertyp gerne 1957, nach der Wahl von Adolf Sch�rf zum Bundespr�sidenten, Parteivorsitzender geworden � er stand damals allerdings wegen seiner Position in der �Verstaat- lichten� allzu sehr im Kreuzfeuer der Kritik, und Bruno Pittermann machte das Rennen. 1967 versuchten manche dann Waldbrunner als Gegenkandi- daten zu Bruno Kreisky aufzubauen, aber da war der alte Ingenieur wohl schon zu m�de geworden. So musste die Gewerkschaftsfraktion Hans Czet- tel aus dem Hut ziehen. Leben und Werk und Umfeld dieses Spitzenpolitikers, der vielleicht ein we- nig zu imponierend wirkte, um je �Ers- ter� zu werden, finden in dem vorlie- genden Band umfassende W�rdigung. Dabei erscheint es auff�llig, wie sehr die Gestalt dieses Pragmatikers und die Diskussionsthemen seiner Zeit uns heute fern ger�ckt sind. Selbst Man- fred Zollingers biographische Darstel- lung, die allerdings auf Material �ber die pr�genden Erfahrungen der Kind- heit des Autors sichtlich verzichten muss, l�sst uns den ebenso vorsichtig wie im Bedarfsfall autorit�r agierenden Spitzenfunktion�r nur wie durch einen Schleier sichtbar werden. Was die Beitr�ge betrifft, die im Ab- schnitt �Analysen zur Waldbrunner- Zeit� zusammengefasst wurden, sind sie zwar sehr interessant, stehen aber auch h�ufig in betr�chtlicher Distanz zu jenem Mann, dem dieses Buch ge- widmet ist. Anton Pelinka hat es noch rela- tiv leicht, er kann darstellen, wie der Technokrat Waldbrunner, der weder Nazi noch �rassisch� belasteter Ver- triebener war (und �brigens, wie es scheint, auch nie Kommunist), sich