34. Jahrgang (2008), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 305 es zu globalen Portfolioumschichtungen aus anderen Währungen – mit Rückwirkungen auf den Wechselkurs und die Geldmenge. Es ist sogar denkbar, dass eine Zinsanhebung der EZB zu einem Anstieg der Geldmenge im Euroraum führt, nämlich dann, wenn dadurch das Zinsdifferenzial zum Dollar steigt. Darüber hinaus wird die Geldmenge für die EZB umso weniger kontrollierbar, je mehr der Euro zur internati- onalen Transaktions- und Reservewährung aufsteigt. Widersprüche gibt es aber nicht nur bei der grundsätzlichen Haltung zur Geldmengenpolitik, auch die konkrete Formulierung des Zieles des Geldmengenwachstums ließe – bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit des Geldes – die Erreichung des Zieles von Lissabon bezüglich eines realen BIP-Wachstums von 3 Prozent nur zu, wenn die Inflation 1,5 Prozent nicht überschritte. Das ergibt sich, wenn man die entsprechen- den Werte in die Quantitätsgleichung einsetzt. Insgesamt wäre die EZB gut beraten, nach der Überwindung der der- zeitigen Anspannung auf den Märkten für Energie und Nahrungsmittel ihre geldpolitische Strategie einer neuerlichen Evaluierung zu unterzie- hen. U. E. kann an deren Ende eigentlich nur die Wandlung der Geld- menge von der Säule zur Variable stehen. Liquiditätsmanagement in der Finanzkrise Wie erfolgreich ein pragmatischer Ansatz sein kann, hat die EZB beim Liquiditätsmanagement im Rahmen der Finanzkrise gezeigt, die dem Ausbruch der US-Immobilienkrise gefolgt ist. Im Zuge dieser Fi- nanzkrise kam der Interbankenmarkt so weit zum Erliegen, dass es vor allem für kurzfristige Zwischenbankverbindlichkeiten teilweise keine Preise mehr gab. Dies war einerseits Ausdruck mangelnden gegen- seitigen Vertrauens nach dem Zusammenbruch einiger Institute und andererseits Ausdruck von Unsicherheit über den eigenen Liquiditäts- bedarf, was zum Horten und daher zum Austrocknen von verfügbarer Liquidität führte. Hier nutzte die EZB all ihre zur Verfügung stehenden Mittel in sehr pragmatischer Art und Weise und stellte den großen Fi- nanzmarktakteuren ausreichend Liquidität zur Verfügung, um ein wei- teres Umsichgreifen der Krise zu verhindern. Pragmatismus und Dialog Denselben Pragmatismus würde man sich wünschen, wenn es da- rum geht, die geldpolitische Strategie von der Geldmengenfixierung zu befreien, die Definition der Preisstabilität so flexibel und pragmatisch zu handhaben, wie es ein heterogener Wirtschaftsraum und die jeweili- ge Situation erfordern (importierter Preisschock oder binnenwirtschaft-