34. Jahrgang (2008), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 309 heit und heizt die Konkurrenz zwischen Betrieben, Abteilungen und Per- sonen an. Zu diesen direkten Effekten der Umstrukturierung von Firmennetzen und Wertschöpfungsketten kommen indirekte hinzu: Oft müssen gar kei- ne Auslagerungen oder Verschiebungen in der Arbeitsteilung zwischen Unternehmen erfolgen. Schon die Möglichkeit von Auslagerungen und die Existenz von Unterschieden in den Beschäftigungsbedingungen be- einflussen die Verhandlungspositionen von Arbeitgeber- und Arbeitneh- merInnen, weil Unternehmensleitungen glaubwürdig mit Aus- oder Verla- gerungen drohen können. Die Ausweitung der strategischen Handlungs- optionen des Managements zog vielfach Aushandlungen von Zugeständ- nissen der Arbeitnehmerseite nach sich,7 die zum Beispiel zu flexibleren oder längeren Arbeitszeiten oder zu Wochenendarbeit führten. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts WORKS wurden u. a. in 13 europäischen Ländern insgesamt 58 Fallstudien über die Unter- nehmensfunktionen Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik, Kundenbetreuung und Informationstechnik durchgeführt. Die beteiligten Branchen bildeten das Spektrum von herkömmlichen über wissensintensi- ve Industrien bis zu Dienstleistungen ab. Bekleidungsindustrie, Nahrungs- mittelindustrie, Informationstechnik, öffentlicher Dienst und öffentliche Dienstleistungen waren beteiligt. Für jede Fallstudie führten Forschungs- partner in den jeweiligen Ländern 8 bis 10 Interviews mit VertreterInnen des Managements, der Gewerkschaft bzw. des Betriebsrates und aus- gewählter Beschäftigtengruppen und analysierten sie im Hinblick auf die Forschungsfragen.8 2. Umstrukturierung von Produktionsnetzwerken und Wertschöpfungsketten Die Beziehungen zwischen Firmen und ihre Veränderungen wirken sich, so die Ausgangshypothese der Untersuchung, unmittelbar auf Be- schäftigungs- und Arbeitsbedingungen aus. Die Dynamik der Zuliefer- beziehungen wird in der Literatur über globale Wertschöpfungsketten beschrieben, die sich schwerpunktmäßig für die Formen der Steuerung von Wertschöpfungsketten und die Veränderung der Machtbeziehungen zwischen Unternehmen interessiert.9 In solchen Konfigurationen kann den Abnehmern, wie etwa den Markenfirmen und Handelsketten in der Bekleidungsindustrie, die dominante Rolle im Firmennetzwerk zukommen oder den Produzenten, wie das in der Informationstechnik der Fall ist. Die Literatur über Wertschöpfungsketten und globale Produktionsnetzwerke10 beschreibt den Wandel meist innerhalb einzelner Branchen. Dort entste- hen zwischen Märkten und Hierarchien neue Beziehungen zwischen den Firmen und veränderte Steuerungsformen. Diese Literatur hat in erster