34. Jahrgang (2008), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 417 Privatisierung und Arbeitsbeziehungen Rezension von: Torsten Brandt, Thorsten Schulten, Gabriele Sterkel, Jörg Wie- demuth (Hrsg.), Europa im Ausverkauf. Liberalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und ihre Folgen für die Tarifpolitik, VSA-Verlag, Hamburg 2008, 400 Seiten, € 19,80. Vor dem Hintergrund, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Liberalisierung und Privatisierung öf- fentlicher Dienstleistungen stetig vo- rangeschritten ist und zu fundamen- talen Veränderungen im Bereich der Arbeitsbeziehungen geführt hat, war es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Und genau diese Bilanz bietet dieser Sammelband. Die Beiträge konzentrieren sich pri- mär auf Ursachen, (Hinter-)Gründe und Konsequenzen der Liberalisierun- gen und Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen in der Bundesrepub- lik Deutschland (BRD). Ergänzend und bereichert wird die Analyse der BRD durch eine Reihe von Beiträgen, die sich mit weiteren europäischen Ländern beschäftigen und es erlau- ben, Analogien und Unterschiede zu identifizieren. Eine starke methodi- sche, aber auch inhaltliche Akzentu- ierung erhält der Sammelband durch die Integration expliziter Analysen von einzelnen Sektoren in der BRD, wel- che von Liberalisierungs- und Privati- sierungsmaßnahmen stark betroffen waren und sind, beispielsweise der Telekommunikation, Post und Wasser- wirtschaft. Neben diesen Sektor- und Länderanalysen, welche eine aus- gezeichnete Bestandsaufnahme der gegenwärtigen und vergangenen Si- tuation in den jeweiligen Sektoren und Ländern bieten, bereichert eine Reihe von Artikeln über unterschiedliche Di- mensionen und Aspekte der Folgen und Konsequenzen der Liberalisierung und Privatisierung den Sammelband und zielt teilweise darauf ab, politikre- levante Handlungsoptionen für die zu- künftige Entwicklung abzuleiten. Da Liberalisierungen und Privatisie- rungen eine Fülle von Implikationen für Arbeitsbeziehungen und Lohnpolitik haben, ist es die Intention des Sam- melbandes, die Diskussion auf die Ta- rifpolitik zu bündeln. Dies suggeriert der Untertitel des Sammelbandes auch klar. Diese Bündelung der Diskussion auf die Folgen von Liberalisierungen und Privatisierungen auf die Tarifpolitik ist in den Beiträgen sicherlich spürbar, aber in einer Beschreibung der Vielfalt der thematisierten Folgen der Libera- lisierung und Privatisierung, welche in einigen Beiträgen berücksichtigt wer- den, sicherlich zu kurz gegriffen, da die Gründe und Folgen der Privatisie- rung in vielen Beiträgen umfassender betrachtet und thematisiert werden. In einigen Beiträgen werden die Libera- lisierung und Privatisierung öffentli- cher Dienstleistungen an der „Wurzel gepackt“ und deren Folgen sowohl in gesellschaftlichem als auch wirtschaft- lichem Kontext betrachtet. Wobei be- tont werden sollte, dass dieser breitere Fokus, welcher in einigen Beiträgen zum Ausdruck kommt, keineswegs ein Nachteil ist. Im Gegenteil: die Folgen der Liberalisierungen und Privatisie- rungen öffentlicher Dienstleistungen beschränken sich nicht nur auf die Tarifpolitik, sondern sind unter ande- rem im wohlfahrtsstaatlichen Kontext zu betrachten, wie dies – um nur ein Beispiel zu nennen – im Beitrag von Werner Raza zum Ausdruck kommt. Die Berücksichtigung der Folgen ab- seits der Tarifpolitik erweitert auch die