35. Jahrgang (2009), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 187 1. Einleitung Der Zusammenhang zwischen betrieblichen Weiterbildungsmaßnah- men und der Lohnentwicklung der Geschulten bzw. die Entwicklung des Lohnniveaus in Unternehmen im Allgemeinen ist nicht nur für Arbeitneh- merInnen und deren Vertretung von Bedeutung, sondern es besteht auch ein wirtschaftspolitisches Interesse an der Untersuchung dieses Zusam- menhangs. Wenn betriebliche Weiterbildung ursächlich zu höherer Produktivität führt, so kann ein gesellschaftliches Interesse bestehen, derartige Wei- terbildungsmaßnahmen zu fördern, so wie das in Österreich beispielswei- se durch die Gewährung steuerlicher Anreize geschieht (Freibetrag bzw. Prämie). Derartige Förderungen sind zum Beispiel dann sinnvoll, wenn der betriebliche Aufwand die privaten Renditen übersteigt und Unterneh- men daher keinen Anreiz haben, in solche Maßnahmen zu investieren. Alternativ könnte es der Fall sein, dass Beschäftigte keinen Anreiz ha- ben, betriebliche Weiterbildungen zu absolvieren, wenn deren Renditen gering sind. Böheim und Schneeweis (2008) haben auf Basis von Daten der Leistungs- und Strukturerhebungen (LSE) und Daten des Continuing Vocational Training Survey (CVTS)1 gezeigt, dass in Österreich ein posi- tiver Zusammenhang zwischen betrieblicher Weiterbildung und Produkti- vität besteht und auch erste Hinweise dafür gefunden, dass betriebliche Weiterbildung und Lohnhöhe positiv zusammenhängen. In der vorliegenden Studie wird untersucht, wie sich betriebliche Wei- terbildung auf Lohnniveau und Lohnverteilung in österreichischen Unter- nehmen auswirkt. Das Lohnniveau kann dabei auch als Indikator für die Produktivität der Unternehmen interpretiert werden, da davon ausgegan- gen werden kann, dass Lohnerhöhungen aus Produktivitätsgewinnen fi- nanziert werden. Dabei werden die Daten der Arbeitskostenerhebung und der Verdienst- strukturerhebung2 herangezogen. Diese Datenquellen weisen zwei we- sentliche Vorteile auf. Zum einen stehen sowohl in der Arbeitskostener- Mehr Lohn bei betrieblicher Weiterbildung? Eine empirische Analyse österreichischer Unternehmen René Böheim, Florian Wakolbinger