36. Jahrgang (2010), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 277 tisch kommentiert. Diese „Kritischen Erwägungen“ bestechen durch ihre Kürze, Prägnanz und Pointierung. Da- bei kommt auch die rezente Kapitalis- muskritik nicht zu kurz, etwa wenn die Autoren die sozialdarwinistischen Züge der Schumpeter’schen Charakterisie- rung des „Pionierunternehmers“ mit der neoliberalen Betonung der „Leistungs- träger“ in Verbindung bringen, die man- gelnde wirtschaftshistorische Basis der Weber’schen Protestantismus-These monieren und die Marx-Kritik mit dem Satz resümieren: Das Gespenst des Kommunismus ist tot, das „Gespenst“ Marx geht weiter um. Insgesamt liest sich das Buch als er- frischender dogmenhistorischer Über- blick, wobei der wirtschaftshistorische Hintergrund vielleicht ein wenig unter- belichtet bleibt. Bei der Auswahl der „Klassiker“ wäre auch ein wenig kritisch zu hinterfragen, inwieweit nicht auch bei einigen der ausgewählten Denker jenes auf der Newton’schen Mechanik beruhende Gleichgewichtsparadigma eine Rolle spielt und diesbezüglich der Gegensatz zur Neoklassik nicht so groß ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Besonderen trifft das wohl auf Adam Smiths Überlegungen zur langfristigen Preisbildung zu. Hinsicht- lich des fehlenden Entwicklungsden- kens in der Neoklassik – da ist der Au- toren wohl vorbehaltlos zuzustimmen – ist die getroffene Auswahl aber wohl sehr stimmig. Für jene, die sich einen Überblick über Klassiker der Sozioökonomik verschaffen wollen, und als runder Einstieg in die Thematik ist das Buch ausgesprochen zu empfehlen. Wer auf „Geheimtipps“ aus der Dogmen- geschichte hofft, wird allerdings ent- täuscht. Es bleibt die unrealistische Hoffnung, dass Einführungen dieser Art abseits des „Nebenfachs“ Wirt- schaftsgeschichte auch im Studium der Wirtschaftswissenschaften breite- re Verwendung finden. Angesichts der andauernden Mathematisierung des Faches ist diese Hoffnung allerdings vermutlich naiv. Aber vielleicht werden zukünftig jene ExpertInnen, die sich mit Wirtschaftspolitik beschäftigen, oh- nehin nur mehr eingeschränkt aus dem Kreis der AbsolventInnen des Ökono- miestudiums zu suchen sein. Andreas Weigl