Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 2 284 Der Ölpreis und die internatio- nale Arbeitsteilung Rezension von: Jeff Rubin, Warum die Welt immer kleiner wird – Öl und das Ende der Globalisierung, Carl Hanser Verlag, München 2010, 282 Seiten, € 19,50. „Wir sollten nicht nur unsere Wirtschaft vom Öl abkoppeln, sondern auch unse- ren Lebensstil ändern, um ihn an eine Welt zunehmender Energieknappheit anzupassen.“ – Jeff Rubin Einen besseren Zeitpunkt hätte es für die deutschsprachige Herausgabe des Buches: „Why your world is about to get a whole lot smaller“ kaum ge- ben können, denn auch in Deutsch- land werden zur Zeit Lehren überdacht und Schlussfolgerungen gezogen aus der schweren weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in den beiden letzten Jahren. Dabei konzentrierten sich naturge- mäß – den Kern und Ausgangspunkt der Krise entsprechend – viele Dis- kussionen bislang auf die monetären Aspekte und somit auf die Konsequen- zen des Verhaltens der Banken auf den internationalen Finanzmärkten. Aber reicht das schon, wenn es um eine tiefer gehende Aufarbeitung von Ursachen dieser Rezession im real- wirtschaftlichen Sektor geht? Reicht business as usual z. B. beim Manage- ment grenzüberschreitender realwirt- schaftlicher Transaktionen in einer Zeit, wo mit dem nächsten Aufschwung auch erkennbar wieder die Preise für Öl, Gas sowie die Transportkosten spürbar steigen werden? Entstehen vielmehr nicht eher generelle Fragen mit Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen globaler Wertschöpfungsket- ten und zahlreicher Auslagerungsak- tivitäten an fern gelegene Standorte? Genügt es, immer nur die niedrigen Preise für Arbeitskräfte als häufig ein- zigen und ausschließlichen Grund für internationale Standortverlagerungen heranzuziehen? Das sind nur einige der Kernfragen, denen sich Jeff Rubin, Managing Di- rector und Chefökonom bei der CIBC (Canadian Imperial Bank of Commer- ce), in überzeugender und empirisch sehr fundierter Weise stellt. Seine Kernbotschaft ist die folgende: Wenn steigende Energiepreise – bedingt durch wachsende Nachfrage und das Schrumpfen der Ölvorkommen – und immense Transportkosten den Kos- tenvorteil billiger Arbeitskräfte an fern gelegenen Standorten (z. B. China) zunichte machen, dann sind viele lo- gistische Entscheidungen, inklusive den Produktionsverlagerungen, neu zu überdenken, und viele Exporte/ Importe müssen neu definiert werden. Die grundlegende These des Autors, die daraus resultiert, lautet dann: Wir brauchen eine Renaissance der loka- len, regionalen Wirtschaft, d. h. mehr lokale Produkte, Güter mit regionaler Herkunft werden künftig die internati- onalen Märkte prägen. So berechtigt die überzeugenden, faktisch sehr detaillierten Argumen- tationen zu den Wechselbeziehun- gen von schrumpfenden Ökonomien, steigenden Ölverbrauch und steigen- den Ölpreisen (höhere Nachfrage und gleichzeitig reduziertes Angebot) auch einerseits sind, so implizieren sie auch eine bestimmte Einseitigkeit, die darauf hinausläuft, das Schicksal der Globalisierung, des internationa- len Handels, an die Entwicklung von Ölangebot und Ölpreisen zu binden. Dies hat der Verfasser offensichtlich selbst erkannt, wenn er im letzten Ab-