Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 2 288 Gleichstellungspolitik Rezension von: Erna Appelt (Hrsg.), Gleichstellungspolitik in Österreich. Eine kritische Bilanz, StudienVerlag, Innsbruck 2009, 240 Seiten, € 28,90. Mit dem vorliegenden Band hat Erna Appelt ein sehr buntes Werk vorgelegt, in dem sich insgesamt 26 AutorInnen der Thematik aus verschiedenen Blick- winkeln nähern. Der inhaltliche Bogen des Buches ist weit: Er reicht von den unterschiedlichen Spielarten von Geschlechterwissen (Angelika Wetterer) und den Rahmen- bedingungen österreichischer Gleich- stellungspolitik (Erna Appelt) über die Gleichstellungspolitik unter Bedingun- gen eines neoliberalen Staatsumbaus (Birgit Sauer) bis hin zur Rolle der Eu- ropäischen Union für die Institutionali- sierung von Gleichstellung (Sieglinde Rosenberger), den Erfahrungen der Gleichbehandlungsanwaltschaft (In- terview mit Ingrid Nicolay-Leitner) und zum Gender Budgeting (Autorinnen- kollektiv). Weitere Beiträge befassen sich mit dem Verhältnis von kultureller Diversität, Antidiskriminierung und Ge- schlechteregalität (Sabine Strasser), der Familienpolitik (Max Preglau), der Arbeitsteilung in Paarhaushalten (Barbara Haas), den geschlechterse- gregierten Arbeitsmärkten (Gudrun Biffl), geschlechtsspezifischen Ein- kommensunterschieden (Veronika V. Eberharter), betrieblicher Gleichstel- lungspolitik (Manfred Auer und Heike Welte), der Gleichstellung im schu- lischen Bereich (Claudia Schneider, Renate Tanzberger und Bärbel Traun- steiner), der (Un-)Gleichbehandlung an den Universitäten (Eva Blimlinger) sowie in Kunst und Kultur (Andrea Ell- meier). Angelika Wetterers anspruchsvol- le wissenssoziologische Analyse der Schwierigkeiten des Dialogs zwischen Frauenpolitik und Frauenforschung überzeugt: Demnach sind diese nicht in erster Linie in den Inhalten begründet, sondern in grundsätzlich unterschied- lichen sozialen Zusammenhängen, in denen feministische TheoretikerInnen, Gender-ExpertInnen und die „Frauen und Männer auf der Straße“ (S. 10) agieren. Wetterer wirft damit Fragen auf, die v. a. vor dem Hintergrund re- levant scheinen, dass teilweise, mitun- ter auch von Frauen, Frauenforschung und -politik (und somit auch Gleich- stellungspolitik) als unnötig erachtet, ja abgelehnt werden, nämlich: Wie kann Dialog gelingen, und wie kann voneinander gelernt werden? Welche Herausforderungen sind damit für die Gleichstellungspolitik und deren Ak- teurInnen verbunden? Erna Appelts Beitrag über die Mei- lensteine der österreichischen Gleich- stellungspolitik spannt einen weiten Bogen: von den frühen Forderungen nach gleichen Rechten von Frauen im 18. Jahrhundert über den erstmaligen Ausschluss von männlichen Privilegi- en durch Art. 7 des Österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes von 1920 bis hin zur Umsetzung einschlä- giger EU-Richtlinien im Gefolge des österreichischen EU-Beitrittes. Sie unterscheidet vier wesentliche Etap- pen der Gleichstellungspolitik in Öster- reich: 1.) die Phase der Anfänge einer emanzipatorischen Frauenpolitik (1971- 1979) hätte auch in „geschlechterpoli- tischer Hinsicht einen Durchbruch“ (S. 34) mit sich gebracht, ablesbar u. a. an den Reformen des Steuer-, Ehe- und Familienrechts sowie der Regelung