36. Jahrgang (2010), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 457 einbehaltenen Profiten stellt somit einen sehr wichtigen Faktor bei Inves- titionsentscheidungen dar. Der gestiegene Aktionärseinfluss verlangt je- doch von den Unternehmen des Nicht-Finanzsektors, dass sie ihre Profite zunehmend ausschütten. Mit der Hochzinspolitik in den 1980er-Jahren war die Finanzialisierung zunächst durch höhere Zinsaufwendungen be- merkbar. Später wurden diese aber von einem rasanten Anstieg der aus- geschütteten Dividenden an die AktionärInnen überschattet. Die Orien- tierung des Unternehmens-Managements auf Einbehaltung der Gewinne zur Reinvestition verlagert sich dadurch immer mehr zu einer Strategie der Ausschüttung der Profite und der Reduktion der Unternehmensgröße zum Vorteil der Aktionäre.14 Einen weiteren wichtigen Faktor bei der Re- duktion interner Mittel stellen die Aktienrückkäufe der Unternehmen dar. Diese Rückkäufe von eigenen Aktien haben vor allem die Wirkung, dass der Preis der Aktien des Unternehmens kurzfristig ansteigt. Somit können durch diese Maßnahmen einerseits die Aktienwerte für die Anteilseigner gesteigert werden, und andererseits profitiert auch das Management da- von, da dessen Entlohnung zum Teil auch aus Aktienoptionen besteht.15 Optionsberechtigte sind in der Regel jedoch vom Erhalt von Dividenden- zahlungen ausgeschlossen, und deshalb könnten ManagerInnen eher an steigenden Aktienkursen infolge von Aktienrückkäufen interessiert sein als an der Ausschüttung von Gewinnen in Form von Dividenden an Akti- onärInnen.16 Um diese beiden Hypothese zu untersuchen, wird folgende Investitions- funktion verwendet werden: (1) I = I(Y,R,F1,FP) wobei I die Investitionen, Y die Nachfrage, R die Profite, FI die Finanzein- nahmen und FP die Finanzzahlungen darstellen. Die Nachfragevariable Y wird in empirischen Schätzungen von Investiti- onsfunktionen regelmäßig als erklärende Variable herangezogen. Sie soll- te einen positiven Effekt auf die Investitionen haben. Die Profite dienen als Maß für die Einkommensverteilung zwischen Kapital und Arbeit. Es wird hier erwartet, dass steigende Profite zu einem Anstieg der physischen Investitionen führen. Die beiden zuvor erläuterten Kanäle der Finanzialisierung werden durch die Finanzeinnahmen bzw. die Finanzzahlungen der Unternehmen reprä- sentiert. Ein Anstieg der Finanzeinnahmen bietet einen Anreiz dafür, dass die Industrieunternehmen ihren Anlagefokus zunehmend auf Finanzinves- titionen verlagern. Steigende Einnahmen in Form von Zinsen, Dividenden etc. könnten das Unternehmensmanagement dazu verleiten, mehr Finanz- investitionen zu tätigen. Dies könnte dann dazu führen, dass die Firmen sich weniger am Wachstum orientieren und somit auch weniger in physi- sche Anlagen investieren. Die Finanzzahlungen stellen einen Indikator für