Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 1 4 letzten drei Jahre können nur mit sehr viel Vorsicht abgeschätzt werden. Trotz der starken Zunahme der Exporte und der deutlich verbesser- ten Geschäftsaussichten in der Sachgüterproduktion schlägt in diesen Branchen die gute Konjunktur nur sehr langsam auf den Arbeitsmarkt durch. Während reguläre Arbeitsplätze – bei aller gebotenen Vorsicht angesichts der Probleme mit der Beschäftigungsstatistik – weiter ab- gebaut wurden, zeigten sich Erholungstendenzen bisher allenfalls im Bereich der Leiharbeit. Jedenfalls ist der Beschäftigungsstand in der Sachgüterproduktion noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt, und in der Fachwelt wird bezweifelt, dass dieser Stand je wieder wird erreicht werden können. Ein beträchtlicher Teil der neuen Arbeitsplätze ist in den Bereichen Gesundheit und Bildung entstanden. In Anbetracht der Sparzwänge in nahezu allen öffentlichen Haushalten stellt sich hier die Frage nach den Spielräumen für zukünftiges Beschäftigungswachstum. Abgesehen von Polen wurden die MOEL von der Krise stärker ge- troffen als Österreich oder Deutschland. Vor allem waren die Arbeits- marktauswirkungen deutlich ungünstiger: Zwischen 3,6 Prozentpunkten in Slowenien und 5,5 Prozentpunk- ten in der Slowakei stiegen die Arbeitslosenquoten in diesen Ländern. Während es in Österreich schon 2010 eine leichte Arbeitsmarkterho- lung gab, verschlechterte sich die Lage in den MOEL noch weiter. Eine langsame Arbeitsmarkterholung wird für diese Länder erst ab 2011 er- wartet. Es wird zwar unter Fachleuten die Meinung vertreten, dass aus der Arbeitslosigkeit heraus kaum Migration erfolgt, aber das gilt sicher mehr für Menschen, die langzeitarbeitslos sind, und weniger für die, welche bis vor Kurzem einen guten Arbeitsplatz hatten. Vor allem bei den Jugendlichen waren die Arbeitslosenquoten deut- lich und teilweise sogar dramatisch höher als in Österreich. Zu Beginn des Jahrzehnts hatten Polen und die Slowakei noch Jugendarbeitslo- senquoten von etwa 40%, und lediglich Ungarn hatte mit 11,3% einen günstigen Wert. Während sich in Ungarn die Situation fast kontinuier- lich verschlechterte, verbesserte sich in den anderen Ländern die Ar- beitsmarktlage auch für die Jugendlichen deutlich bis zum Jahr 2008. Die anschließende Krise traf allerdings die Jugendlichen besonders stark: Vor allem die Slowakei, Ungarn und Polen hatten plötzlich wieder Jugendarbeitslosenquoten von 20% bis 27%. Da die Jugendlichen oft ungebunden und daher besonders mobil sind, besteht hier sehr wohl ein Auswanderungspotenzial, sofern sich die Zukunftsperspektiven für diese Altersgruppe nicht bald verbessern. Die niedrigen Aktivitätsquoten vor allem in Ungarn und Polen kön- nen ein Indiz für versteckte Arbeitslosigkeit sein. Die Art der Beschäf- tigungserfassung in internationalen Statistiken verschleiert zumindest