Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 1 12 fentlichen Dienst um 10%. Fassen wir wichtige Ergebnisse bezüglich Lohnkonvergenz und jüngsten Lohnentwicklungen zusammen: * Während der Übergangsfrist (2004-10) setzte sich die Annäherung der Löhne in den MOEL an jene Österreichs in signifikantem Ausmaß fort, sowohl zu Wechselkursen als auch zu Kaufkraftparitäten. * Die tiefe Rezession des Jahres 2009 löste in den betrachteten MOEL – mit Ausnahme Ungarns – im Durchschnitt keinen Rückgang der Reallöhne der Beschäftigten aus. * Der in allen MOEL während bzw. nach der Rezession eingeschla- gene budgetpolitische Austeritätskurs erfolgt in erheblichem Maße zu- lasten der öffentlich Bediensteten. Die im jeweiligen nationalen Maß- stab vergleichsweise niedrigen Gehälter im öffentlichen Sektor und die Gehaltseinbußen ebendort in jüngster Zeit verschärfen zweifellos die Rekrutierungsprobeme in diesem Bereich und die in einigen der betreffenden Branchen bereits bestehenden, gravierenden Engpässe (Gesundheitswesen). Die Auswanderung bzw. das Pendeln in eines der ‚alten‘ EU-Länder, wo in den Gesundheits- und Pflegeberufen z. T. hoher Personalbedarf besteht, gewinnt für viele Betroffene an Attrakti- vität. Welche Folgen die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen für die Gewerkschaften der öffentlich Bediensteten, deren Organisati- onsgrad relativ hoch ist, haben wird (Mobilisierung oder Austrittswel- le?), ist offen. * Angesichts des – mit Ausnahme Sloweniens – niedrigen Gesamt- deckungsgrades der Kollektivverträge und der geringen Regulierungs- effektivität derselben kommt den gesetzlichen nationalen Mindest- löhnen zunehmende Bedeutung zu, v. a. auch als Schutzinstrument für die schwächsten ArbeitsmarktteilnehmerInnen während und nach einer tiefen Rezession. Für die Lohnkollektivvertragsverhandlungen bildet das Ausmaß der Mindestlohnanhebung einen wichtigen Orien- tierungspunkt. Der Fall Tschechiens führt jedoch die Verwundbarkeit eines staatlichen Mindestlohnsystems gegenüber Blockadeverhalten der Regierung bzw. der Parlamentsmehrheit vor Augen. * „Die Lohnentwicklung in den MOEL“ gibt es nicht. Die wirtschaft- lichen, politischen, sozialen, kulturellen, institutionellen und arbeits- marktorganisatorischen Unterschiede zwischen den MOEL sind erheb- lich. Pfadabhängigkeiten bestimmen in hohem Maße die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen. Abschließende Überlegungen Während der Übergangsfrist war Österreichs Arbeitsmarkt gegen- über den MOEL keineswegs abgeschottet. Im Schnitt des Jahres