37. Jahrgang (2011), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 17 it.“ Diese führte dazu, dass Nobelpreisträger Robert Lucas jr., die Speer- spitze der gegenwärtigen Chicagoer Makroökonomik, in einer der folgen- den Ausgaben jene Ansichten verteidigte, die zu keinem geringen Anteil auf seinen eigenen Beiträgen zur modernen Ökonomik beruhen.2 In ent- waffnender Weise zeigte seine Entgegnung auch, dass er nichts dazu zu sagen wusste, wie die gegenwärtige Krise hatte entstehen können oder was zu ihrer Bekämpfung getan werden könnte. Vielmehr drückte er seine unerschütterliche Ansicht aus, dass es keine Alternative zur Entwicklung der ökonomischen Theorie entlang des Ansatzes der rationalen Erwar- tungen, des repräsentativen Agenten und der Markteffizienz-Hypothese gäbe. Dogmatisch widersprach er den Überlegungen, dass das Versa- gen der Ökonomik ein Überdenken ihrer vorherrschenden Methoden und Theorien verlange. Es sei alles in bester Ordnung oder werde früher oder später wieder in Ordnung kommen, vorausgesetzt, die heutigen Ökono- men könnten so weitermachen wie bisher und ihre Tätigkeit auch auf Be- reiche ausdehnen, die sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ordentlich beackert hätten.3 So hatte Lucas (2004, S. 23) triumphierend behauptet, das Potenzial der neuen Theorie „is getting realized. It has completely succeeded in taking over growth theory, most of public finance, financial economics. Now it’s coming in use in macroeconomics with real business cycle theory“. Nach dem Fest konnten die Sprünge im Spiegel jedoch nicht mehr län- ger ignoriert oder wegdefiniert werden. Paul Krugman, auch er Nobel- preisträger, ist u. a. bekannt für seine in der „New York Times“ publizierten Frontalangriffe auf die zeitgenössische Makroökonomik. Joseph Stiglitz, ein weiterer Nobelpreisträger, hat wiederholt Kritik an den Ansichten und Politikempfehlungen der Chicagoer Schule und des Internationalen Währungsfonds geäußert. Selbst frühere zuverlässige Anhänger der von Chicagoer Ökonomen proklamierten Doktrin freier Märkte überdenken in- zwischen ihre Ansichten. Richard Posner von der University of Chicago Law School veröffentlichte in „The New Republic“ einen Artikel mit dem Titel „How I became a Keynesian“.4 Darin distanziert er sich von Gregory Mankiws 1992 aufgestellter Behauptung, dass nach „fifty years of addi- tional progress in economic science, The General Theory is an outdated book. … We are in a much better position than Keynes was to figure out how the economy works.“ Stimmt nicht!, ruft der vom Saulus zum Paulus Gewandelte: „We have learned since September [2008] that the present generation of econo mists has not figured out how the economy works.“ Posner fügt hinzu: „The vast majority of them were blindsided by the housing bubble and the ensuing banking crisis; and misjudged the gravity of the economic downturn that resulted; and were perplexed by the inability of orthodox monetary po- licy administered by the Federal Reserve to prevent such a steep downturn;