37. Jahrgang (2011), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 157 BÜCHER Dieses Mal ist alles anders? Rezension von: John Kenneth Galbraith, Eine kurze Geschichte der Spekulation, 2. Aufl. (engl. Orig.: A short history of financial euphoria, 1990), Eichborn, Frankfurt am Main 2010, 123 Seiten, ISBN 978-3-821-86511-9, € 14,95; Norbert Häring, Markt und Macht, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2010, 286 Seiten, ISBN 978-3-791-02986-3, € 19,95; Carmen M. Reinhart, Kenneth S. Rogoff, Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhun- derte Finanzkrisen, 3. Aufl. (engl. Orig.: This time is different, 2009), FinanzBuch Verlag, München 2010, 555 Seiten, ISBN 978-3-898-79564-7, € 34,90; Nouriel Roubini, Stephan Mihm, Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft (engl. Orig.: Crisis economics, 2010), Campus, Frankfurt am Main 2010, 449 Seiten, ISBN 978-3-593-39102-1, € 24,90; Stephan Schulmeister, Mitten in der großen Krise: Ein „New Deal“ für Europa, Picus Verlag, Wien 2010, 159 Seiten, ISBN 978-3-854-52586-8, € 9,90; Andrew Ross Sorkin, Die Unfehlbaren, 4., erg. Aufl. (engl. Orig.: Too big to fail, 2009), 608 Seiten, DVA, München 2010, ISBN 978-3-421-04488-4, € 24,99. Entfesselte Finanzmärkte haben den unbestreitbaren Vorteil, dass es nie lang- weilig wird, zumindest für Sozialwissenschaftler nicht, insbesondere Ökonomen, die Hypothesen, Vermutungen, Interpretationen und Gestaltungsvorschläge vor- tragen und anhand einer sich ständig überraschend wandelnden Realität abglei- chen können. Leider stehen dem hohe Kosten für die Allgemeinheit, Risiken bis hin zum Untergang des Euro usw. entgegen. So folgt nun dank der Lastenum- schichtung auf die Steuerzahler und einer wenig durchdachten Architektur des Eurosystems auf die große Finanzmarktkrise unmittelbar die Staatsschuldenkri- se. Ein wirklicher Krisengewinnler ist Stephan Schulmeister, der seit 1972 neben zahlreichen Lehrtätigkeiten am österreichischen WIFO u. a. einen Schwerpunkt auf Spekulation auf den Finanzmärkten legt. In Zeiten der Deregulation waren seine Analysen in der Öffentlichkeit weniger gefragt, heute ist es umgekehrt. Er bemerkt in seinem gut verständlichen und niveauvollen Buch zutreffend, dass in Europa die entscheidungsrelevanten Akteure selbst nicht mein(t)en, ein neoliberales Programm zu verfolgen und es z. B. in schöne Titel wie dem der sozialen Kohärenz verpackten. Doch die Wahrheit sei nach Hegel konkret, von „den Maastricht-Kriterien, über die Arbeitsmarktreformen, die Umstellung der