Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 1 160 und das Ethos gilt, dass Gier immer gut ist, dass also derjenige, der andere in die Pfanne haut oder austrickst, bewundert werden muss. Bedürfte es eines lebens- weltlich-hermeneutischen Beispiels, das die reale Existenz der Finanzmarkt-Welt II belegt, so muss man nicht mehr lange suchen. Implizit teilt auch Roubini (und der Journalist und Mitautor Stephen Mihm), Professor an der Stern School of Business der New York University und u. a. umtriebiger Vorsitzender eines Beratungsunternehmens, die Sicht der Welt II mit manisch-depressiven Erscheinungen, ohne sie aber, wie z. B. Schulmeister, in einer methodisch und substanziell elaborierteren Form paradigmatisch entfal- tet zu haben. Aber immerhin: „Die Krise, die im Jahr 2007 begann, war keine Ausnahme, Jahrzehnte des Marktfundamentalismus legten den Grundstein für den Zusammenbruch, da vermeintliche „Reformer“ die während der Weltwirt- schaftskrise geschaffenen Regeln für das Bankwesen aushöhlten und die Wall Street Wege fand, die verbleibenden Wege zu umgehen … Die Krise hat diesem Glauben [an die Wunder deregulierter Märkte] einen schweren Schlag versetzt. Bislang hat sich aber noch kein Ersatz dafür gefunden.“ (S. 358 und 363) Die Autoren sehen die staatlichen Rettungsaktionen nach der Finanzkrise sehr kritisch, da sie die Akteure in Zukunft zu riskanterem Verhalten herausfordern und die Aufblähung der Geldmenge und indirekt hohe Staatsdefizite zu noch grö- ßeren und gefährlicheren Spekulationsblasen führen dürften. Hier deutet sich die undogmatische Position Roubinis an, der keynesianische, aber auch monetaristi- sche (Milton Friedman) und bestimmte österreichische Theorieelemente (Ludwig von Mises) als sich ergänzend ansieht. So stehen sie auch den großzügigen Aktionen der FED, die in Teilen zu einer gigantischen Bad Bank mutiert, sehr kritisch gegenüber: Bestanden ihre Ver- bindlichkeiten früher fast ausschließlich aus solchen der amerikanischen Regie- rung, so füllte sich der Tresor zwischenzeitlich mit Vermögenswerten aus der Konkursmasse der Finanzkrise: Neben Schuldtiteln von Fannie Mae und Freddy Mac fanden sich Neuerwerbungen mit Eigenheimhypotheken, Autokrediten und mit durch Kreditkartenforderungen besicherte Wertpapiere. „Die zwielichtigsten Papiere waren jedoch die CDOs und andere explosive Anlagen, wie sie die No- tenbank im Zuge der Rettung von Bear Stearns und AIG übernommen hatte … Anders als im Fall der meisten anderen Aktiva „besitzt“ die amerikanische Noten- bank diese Papiere über drei Gesellschaften mit beschränkter Haftung namens Maiden Lane I, II und III. Diese werden von BlackRock Financial Management privatwirtschaftlich geführt … In der Summe waren diese konventionellen und unkonventionellen Maßnahmen ein massiver und beispielloser Eingriff der No- tenbank in das Finanzsystem.“ (S. 209) Die Autoren diskutieren auch denkbare Maßnahmen, die die Notenbank nicht unternahm, wie den Direktankauf von Akti- en, wobei Hongkong 1998 als Vorbild dient, wo die Regierung einen ordentlichen Gewinn einfuhr. Es bedarf auf jeden Fall zunächst einer gewandelten Einstellung gegenüber den Aufsichtsbehörden und dem Erfordernis von Regulierung überhaupt. „Bis vor Kurzem mussten sich die Mitarbeiter der Finanzbehörden noch erzählen las- sen, wie dumm sie doch seien, weil sie nicht in die Privatwirtschaft wechselten. Dass sie Pappnasen seien, die mit den Finanzgenies der Wall Street nicht mit- halten könnten. Schlimmer noch: Man sagte ihnen, dass sie für die schöne neue