37. Jahrgang (2011), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 177 Der an der Hochschule für Tech- nik und Wirtschaft Berlin lehrende H. Zschiedrich hat in diesem Sammel- band nicht weniger als 40 AutorInnen in 33 unterschiedlichen, die Probleme der Wirtschaftskooperation in europä- ischen Grenzregionen behandelnden Beiträgen zu Worte kommen lassen. Dabei wird eine Dreiteilung in „Grenz- regionen und Potenziale für wirtschaft- liche Zusammenarbeit“, „Probleme und Erfahrungen mit Unternehmens- kooperationen in ausgewählten Grenz- regionen“ sowie „Schlussbemerkun- gen und Ausblick“ vorgenommen. Der Herausgeber selbst setzte den Rahmen in seinem einleitenden Bei- trag über „Grenzregionen als Weg- bereiter von Internationalisierung und wirtschaftlicher Integration – Erfah- rungen aus der deutsch-polnischen grenzüberschreitenden Kooperation“ und fasste die Ergebnisse der viele Aspekte der Wirtschaftskooperation berührenden Beiträge seiner Autoren- schaft in zehn Thesen in den „Schluss- bemerkungen und Ausblick“ zusam- men. Lesern, die sich angesichts des Umfangs des gesamten Werks einen ersten Eindruck verschaffen und wich- tige Ergebnisse erfahren wollen, soll- ten diese beiden Artikel als erstes stu- dieren. Ein großer Teil der Autoren befasst sich mit den Problemen, die sich im Gefolge der deutsch-polnischen Gren- Wirtschaftskooperation in EU-Grenzregionen Rezension von: Harald Zschiedrich (Hrsg.), Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Grenzregionen. Erwartungen – Bedin- gungen – Erfahrungen, BWV Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2011, 435 Seiten, € 45. ze ergeben. Diese mahnen insgesamt zur Vorsicht: Obwohl die marktwirt- schaftliche Transformation der dama- ligen sozialistischen polnischen Volks- wirtschaft bereits seit mehr als 20 Jahren läuft, der EU-Beitritt im Rah- men der großen Osterweiterung 2004 erfolgte und mittlerweile die Dominanz der Grenze angesichts der Integration Polens und der anderen neuen Bei- trittsländer in den Schengen-Raum verringert wurde, wäre es noch viel zu früh, von einem einheitlichen Wirt- schaftsraum mit Akteuren gleicher Wirtschaftsentwicklung und kultureller Tradition auf beiden Seiten der Grenze zu sprechen. Damit verbleiben noch zahlreiche Hindernisse, die nicht in allererster Linie konzeptionelle Barrieren darstel- len, sondern Defizite der Umsetzung von Erkenntnis in unmittelbares Ma- nagementhandeln: Jeder der im grenz- überschreitenden Prozess einbezoge- nen Manager würde zugestehen, dass möglicherweise Polen und Deutsche „anders ticken“, aber was das konkret und täglich bedeuten kann, auf welche Befürchtungen und Ängste geachtet werden muss, damit sich diese Di- vergenzen nicht handlungslähmend auswirken, alles das muss mühselig im Einzelfall erkundet und mit dem allgemein vorhandenen Wissen über Unterschiede in der kulturellen und technologischen Entwicklung in Über- einstimmung gebracht werden. Inso- fern ist die Existenz einer durchlässig gewordenen Grenze noch kein Garant, dass neue Unternehmenskooperatio- nen von selbst entstehen. Der Wert des vorgelegten Sammel- bandes besteht gerade auch darin, dass der Leser – vielleicht der vor einer Zu- sammenarbeit stehende Mittelständ- ler? Oder der Verwaltungsmanager ei- ner Wirtschaftsförderungsinstitution?