gen Einkommensverteilung in Österreich ausführlich dargestellt und dis- kutiert. 2. Literaturüberblick 2.1 Internationale Studien Tony Atkinson, Thomas Piketty und Emmanuel Saez (2011) haben in ihrem jüngsten Artikel im „Journal of Economic Literature“ ihre inzwischen 10-jährige gemeinsame Arbeit zur Entwicklung der Einkommenskonzen- tration in 22 Ländern im 20. Jahrhundert zusammengefasst. Dabei haben die Autoren das anspruchsvolle Projekt unternommen, einen international vergleichbaren Datensatz zu erstellen, welcher die Entwicklung der perso- nellen Einkommen auf Basis von Einkommensteuerstatistiken teilweise über eine mehr als 100-jährige Periode verfolgt. Die Ergebnisse sind in detaillierter Form in zwei Büchern2 gesammelt und spiegeln in beeindru- ckender Weise Umfang und Bedeutung dieser Thematik wider. Atkinson und Saez (2007, 2010) haben in ihren über zwanzig Länderstu- dien gezeigt, dass die Einkommensentwicklung für die Top-10% der Ein- kommensbezieherInnen insbesondere in den angelsächsischen Ländern3 über die vergangenen hundert Jahre hinweg einen stark U-förmigen Ver- lauf aufweist. Die am besten analysierten Daten liegen dabei für die USA vor. Während der Anteil der Top-10% der EinkommensbezieherInnen am Gesamteinkommen in der 1920er-Jahren generell sehr hoch war und 1928, unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise, einen Spitzenwert von 49,3% erreichte, reduzierte sich zu Kriegsbeginn dieser Anteil binnen nur vier Jahren (1940-1944) von 45,3% auf 32,5% (vgl. Abb. 1). In den darauf- folgenden vierzig Jahren (1944-1981) blieb der Anteil dieser Einkom- mensgruppe nahezu konstant bei 34%. Diese bemerkenswert langfristige Periode einer relativ egalitären Einkommensverteilung wird vor allem auf die Herausbildung wohlfahrtsstaatlicher Elemente der Nachkriegsära sowie auf die Einführung einer progressiven Einkommensteuer zurückge- führt, durch welche die Akkumulationsmöglichkeiten der Vermögensbesit- zer – und somit auch deren Einkommen – deutlich reduziert wurden.4 Seit Beginn des neoliberalen Rückschlags mit Reagan Anfang der 1980er- Jahre ist der Einkommensanteil des obersten Dezils wieder dramatisch gestiegen. 2007, unmittelbar vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise, erreichte er einen Spitzenwert von 49,7%. Es ist – zumindest für die USA – offensichtlich, dass den beiden größten Weltwirtschaftskrisen der vergan- genen hundert Jahre jeweils eine enorme Konzentration der Arbeits-, ins- besondere aber der Vermögenseinkommen vorausgegangen ist. Unterteilt man die Top-10% der Spitzeneinkommen nochmals, so fällt auf, dass der Einkommensanteil des obersten Dezils stark durch das Top- 514 Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 4