nach durch die Rückführung der Schulden der privaten Haushalte langsa- mer wachsen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Diese Nachfra- gerestriktion auf den nationalen Produkt- und Arbeitsmärkten wirft die Frage auf, inwieweit nicht handelbare Dienstleistungen auch in Zukunft Beschäftigung schaffen können. Eine ähnlich pessimistische Prognose wird vielfach auch für das mittel- fristige Wachstum des Finanzsektors gegeben. Das Ende des „golden age of finance“ scheint wahrscheinlich.34 Betrachtet man die Entwicklung die- ses Sektors in den USA und Großbritannien, so ist das eine denkbar schlechte Nachricht. Abbildung 4 zeigt, dass der Finanzsektor vor der Krise (2007) einen Anteil an der Bruttowertschöpfung zwischen 8 und 9% hatte. Die hier nicht dargestellte Schweiz weist einen ähnlichen Wert auf. Die Bedeutung des Finanzsektors ist viel geringer in den anderen Volks- wirtschaften (Abbildung 4). Hier liegt der Anteil bei etwa 5,5% im Jahr 2007. Auffallend ist der Unterschied in der zeitlichen Entwicklung zwischen den USA und Großbritannien. Während der Finanzsektor in den USA durch eine stetige Zunahme gekennzeichnet ist, verhält sich der Anteil des briti- schen Finanzsektors sehr volatil. Um 2000 hatte etwa Österreich einen relativ größeren Finanzsektor als Großbritannien. Danach erfolgte jedoch ein sehr rasches Wachstum bis zum Jahr 2007. Die Bedeutung des Finanzsektors für (liberale) Ökonomien ergibt sich neben dem Wertschöp- fungsargument durch folgende zwei Faktoren: Erstens schafft der Finanz- sektor die Voraussetzung, um die hoch negative britische Warenhandels- bilanz zu finanzieren. Zweitens bietet der Sektor hochwertige Arbeits- plätze an, die weit überdurchschnittlich entlohnt werden.35 Die Rolle des Finanzsektors wird unterstrichen, wenn man dessen Anteil an den Gewinnen betrachtet. Dieser lag in den Jahrzehnten nach 1945 bei etwa 1,5% und in den Jahren vor der Krise bei 15%.36 Interpretiert man den Anteil an der Bruttowertschöpfung als Maß für den Beitrag eines Sektors zur sozialen Wohlfahrt einer Ökonomie, zeigt sich, dass es einige Argumente gibt, warum der Beitrag des Finanzsektors überschätzt wurde. Nach Siebert et al. (2009) kann der Finanzsektor ähn- lich wie eine umweltverschmutzende Industrie interpretiert werden. Das Resultat mangelnder Internalisierung negativer Externalitäten ist eine sozial suboptimale Überproduktion. Dies wird vor allem bei der mangeln- den Risikoübernahme durch die Banken deutlich. „If risk-making was a value-adding activity, Russian roulette players would contribute dispropor- tionally to global welfare.“37 Paul Volcker hat das Bonmot geäußert, „that the only socially valuable financial innovation of the last 30 years is the automatic teller machine“.38 Somit könnte der soziale Vorteil eines finanz- getriebenen Wachstumsmodells kleiner sein als angenommen. Länger- fristige Analysen des Finanzsektors geben weiterhin Anlass zur Annahme, dass die Rückkehr zum „status quo ante“ des Wachstums der Finanzbran- 29 38. Jahrgang (2012), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft