fundamentalen Keynesianismus,2 J. Robinson, G. L. S. Shackle oder B. J. Loasby, sehen Keynes, Coddington zufolge, als den Antipoden zum Re- duktionismus. Sie berufen sich dabei vor allem auf Keynes’ Artikel im Quarterly Journal of Economics (1937) sowie auf die Kapitel 12 bzw. 17 der General Theory (1936). Anstelle der klar spezifizierten und stabilen Be- ziehungen und Beschränkungen auf die der Reduktionismus vertraut sieht Keynes dort vage, unsichere und wechselnde Erwartungen als Basis der Wahlhandlungen. Sofern es nicht ohnedies existiert, kann ein Gleichge- wicht gar nicht erreicht werden (Robinson 1953), komparative Statik ist un- ter diesen Voraussetzungen als Methode ungerechtfertigt und unzulässig.3 Der hydraulische Keynesianismus4 stützt sich auf das Schlusskapitel der General Theory (1936, 378f.) wie auf Hicks’ (1937) Komprimierung in das IS/LM-Schema, die von Keynes tatsächlich explizit akzeptiert wurde. Aus theoretischer Perspektive wurde die Neoklassische Synthese zum Spe- zialfall der klassischen Theorie mit ein paar zusätzlichen Restriktionen; aus wirtschaftspolitischer Perspektive – und die Hydrauliker konzentrier- ten sich auf diese – wurde es die „Keynesian Revolution“.5 Die Hydraulik dominierte die Lehrbücher um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und löste unter dem Schlagwort Fiskalismus wirtschaftspolitische Ideologie- kämpfe aus. Die Bezeichnung „hydraulisch“ weist darauf hin, dass im Zen- trum dieses Modells Stromgrößen – Ausgaben, Einkommen, Produktion – stehen, von denen angenommen wird, dass sie im Aggregat stabile Bezie- hungen aufweisen. Anders als im Reduktionismus spielen Preise eine untergeordnete Rolle und Wahlhandlungen beschränken sich auf die Regierung; die Wirtschaftssubjekte reagieren mehr oder weniger mecha- nisch, die Regierung kann die Ströme via Fiskalpolitik im Hinblick auf Akti- vitätsniveau und Beschäftigung steuern: „According to bastard Keynesian doctrine, it is possible to calculate the rate of saving the households collec- tively desire to achieve; then governments, by fiscal and monetary policy, can organise the investment of this amount of saving. Thus Say’s law is artificially restored …“.6 „Konjunktur ist nicht unser Schicksal, Konjunktur ist unser Wille“ tönte der deutsche Wirtschaftsminister Karl Schiller Mitte der sechziger Jahre. Der hydraulische Keynesianismus präsentierte sich als Überwindung des Reduktionsmus-basierten Marktfetischismus. Der erneuerte Reduktionismus – Clower (1969) und vor allem Leijonhuv- fud (1968, 1981) – sah die Hickssche (1937) Keynes-Interpretation als ein „singularly inadequate vehicle for the interpretation of Keynes’ ideas“,7 als einen Spezialfall der klassischen Theorie. Diese Interpretation betonte vor allem die Mengenanpassung, die langsame Reaktion der Preise, sowie das „trading at false prices“; sie arbeitete die Bedeutung der mangelnden, falschen und widersprüchlichen Information der Wirtschaftssubjekte für ihre Wahlhandlungen und damit für die effektive Nachfrage heraus. Inso- fern baute der erneuerte Reduktionismus die keynesianischen Ideen der Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2 186