die expansiven Maßnahmen wirkungslos oder verschärfen die Probleme sogar. Die jüngere Entwicklung in den USA oder in Japan sind dafür schla- gende Beispiele. Gleichermaßen kann expansive Fiskalpolitik bloß dann wachstumsfördernd und beschäftigungsvermehrend wirken, wenn ausrei- chend freie Kapazitäten zur Verfügung stehen. Demgemäß kann es in neoklassischen Modellen, die von jeweils voller Kapazitätsauslastung und allenfalls freiwilliger Arbeitslosigkeit ausgehen, keine expansiven Wirkun- gen (positive Multiplikatoren) geben. Die Multiplikatoren können u. U. sehr klein oder sogar negativ sein, wenn es um die Konsolidierung hoher Bud- getdefizite bzw. den Abbau exzessiver Staatsschulden in nicht rezessiven Phasen geht (siehe die letzten Absätze dieses Abschnitts). Die Wahl der Instrumente ist insofern relevant, als sie auf die Art der Ziel- verletzung und die wahrscheinlichen Reaktionen der Betroffenen abge- stimmt sein sollte. So kann entweder in die materielle oder immaterielle Infrastruktur investiert werden, können private Investitionen oder der Kon- sum angeregt, Ausgaben forciert oder Steuern gesenkt werden. Entschei- dend ist, möglichst bei den Ursachen der Zielverletzung anzusetzen und Sickerverluste ins Ausland oder in zusätzliche Ersparnisse zu vermeiden. Ein Versuch Kosteninflation mit restriktiver Politik zu bekämpfen wird ebenso erfolglos bleiben wie nachfragestützende Maßnahmen in einer Situation mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Eine weitere Voraussetzung für funktionierende Fiskalpolitik a la Hyd- raulik ist eine unterstützende Geldpolitik. Eine Kombination expansiver Fiskal- und neutraler oder gar restriktiver Geldpolitik muss die Expansion an deren Nicht-Finanzierbarkeit scheitern lassen: Die hohen und/oder steigenden Zinssätze verdrängen die private Nachfrage. Insbesondere bei einer Liquiditätsfalle (Nominalzinssatz gleich Null) kann der Multiplikator jedoch recht hoch sein.12 Schließlich sind die Erwartungen entscheidend. In Perioden mit großem Pessimismus werden die zusätzlichen Staatsausgaben cet.par. eher zu höheren Ersparnissen als zu zusätzlichen Ausgaben der Privaten führen – der Multiplikator ist klein. Die neuere Literatur hat diesen Aspekt im Gefolge der Politikineffektivitätshypothese als Normalfall – also auch ohne Pessimismus – stark betont: Rationale Erwartungen und unendlicher Zeit- horizont würden jeden expansiven Effekt verhindern, da die Wirtschafts- subjekte von Steuererhöhungen zur Schuldentilgung ausgehen und dafür Rücklagen bilden. Solche Erwartungen mag es in manchen Fällen durch- aus geben, vor allem wenn die Staatsschulden hoch, Staatsvertrauen und Wachstumserwartungen aber gering sind, sodass wenig Aussicht auf „Selbstfinanzierung“ der Fiskalpolitik besteht. Wenn die zusätzlichen Staatsausgaben als dauerhaft betrachtet werden, sind derartige Erwartun- gen eher wahrscheinlich als im „Normalfall“ temporärer Defizite zur Bekämpfung von Nachfrageausfällen. 189 38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft