schiedlich interpretieren, aber diese Interpretationsmöglichkeiten wurden von Anhängern wie Gegnern vielfach hemmungslos zur Stützung ihrer jeweiligen ideologischen Positionen genützt. Rothschild (1979, 171) sieht Keynes wohl richtig, wenn er schreibt, dass seine „gewaltige Leistung von einem ausgeprägten Sinn für die Vielschichtigkeit der Realität [getragen war] und damit einer Abneigung gegen Versuche, die komplexe Proble- matik in einem einzigen einfachen und starren Modell einzufangen.“ Die Situationen, in denen wirtschaftspolitische Interventionen erforderlich sind, sind sehr unterschiedlich und erfordern nicht ideologisch geprägte Schlagworte, sondern Überlegungen dazu, welche Modelle auf welche Situationen passen und, daraus resultierend, ursachenadäquate Pro- gramme der Politik. Das ist es, was wir aus Keynes lernen können und ler- nen sollen. Anmerkungen * Der Autor dankt A. Guger, M. Schratzenstaller und E. Walterskirchen für wertvolle Kom- mentare zu einer ersten Fassung. 1 Steindl 1987, 11. 2 Leijonhuvfud (1981, 3) bezeichnet ihn als Revolutionary Orthodoxy. 3 Shackle 1972. 4 Leijonhuvfud (1981, 3) bezeichnet ihn als Neoclassical Resurgence. 5 Klein 1949. 6 Robinson and Wilkinson 1977, 6. 7 Leijonhuvfud (1981, 3). 8 Coddington 1976, 1264. 9 Guger and Walterkirchen 1988, 104. 10 Sargent and Wallace 1975. 11 Buiter (1980) bezeichnete das in Anlehnung an Voltaires Candide als „The macroecono- mics of Dr Pangloss“: Pangloss: „Tis demonstrated … that things cannot be otherwise; for, since everything is made for an end, everything is necessarily for the best end“; Can- dide: „If this is the best of all possible worlds, what are the others?“ 12 Eggertson 2010; Woodford 2010. 13 Hall 2009; Woodford 2010. 14 Eggertson 2010; Woodford 2010. 15 Etwa Alesina and Perotti 1997 oder Alesina and Ardagna 2010. 16 Loasby 1976, 167. 17 Dass St. Koren, der zu dieser Zeit das wirtschaftspolitische Konzept der ÖVP erstellte und danach Finanzminister wurde, dem Konzept distanziert gegenüberstand, die Dis- kussion für wenig produktiv hielt und Stigler zitierte („Die zentrale Behauptung ist nicht nur eine Tautologie, sie ist auch falsch“), ist aus seiner ideologischen Position verständ- lich (Koren 1990, 9); aber auch Kreisky soll nach Breuss (1987, 205) gesagt haben: „Austrokeynesianismus hat so viel mit Keynes zu tun wie Austromarxismus mit Marx, nämlich gar nichts“. 18 Tichy 1984, 1995. 19 Dazu gehören nicht zuletzt Portfolio-Umschichtungen innerhalb der wohlstandsbedingt hohen Assets, die vielfach in dieselbe Richtung beabsichtigt sind, und dann die Gefahr von Blasenbildung beinhalten. 194 Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2