le regelmäßig wiederkehrender Wechselkursanpassungen treten sollte und müsste, die Wiedergeburt all jener Nachteile bedeutet, derentwegen Keynes ja seinerzeit zum entschiedenen Gegner des Goldstandards ge- worden war. Der Goldstandard des neunzehnten Jahrhunderts, der zu automatischer deflatorischer Anpassung zwang, wenn die außenwirtschaftliche Wettbe- werbsposition eines Landes sich verschlechterte, war regelmäßig auch mit schweren Kredit- und Bankenkrisen gekoppelt, welche die Wohlfahrts- verluste von „normalen“ Konjunkturkrisen noch weit übertrafen. Krisen im Gefolge von Finanzkrisen und im Gefolge der notwendigen Anpassungen des Preisniveaus und der Reallöhne zur Wiederherstellung der Wettbe- werbsfähigkeit dauerten damals (wie heute) wesentlich länger als normale Konjunkturkrisen. Dabei darf man nicht vergessen, dass diese Anpassungsprozesse damals unter undemokratischen Bedingungen ohne den Widerstand star- ker Gewerkschaften erfolgten, und große Teile der Bevölkerung noch immer in Subsistenzwirtschaften agrarischer Art von den Folgen der indu- striellen Krisen abgeschottet waren – während die Arbeiterschaft in den Städten umso heftiger zu leiden hatte. Dass die marxistische Krisen- und Untergangstheorien gerade damals aufblühten und bei vielen auf Reso- nanz stießen, war ja kein historischer Zufall. Als Großbritannien unter Finanzminister Churchill nach dem Ende des ersten Weltkrieges im Mai 1925 die verhängnisvolle Entscheidung traf, den Wechselkurs des Pfundes wieder an die Vorkriegsparität zum Gold heranzuführen, was nur durch eine reale Aufwertung der Pfundes um etwa 30% möglich war, prophezeite Keynes, dass die Kosten einer solchen Anpassung den Kosten eines Krieges vergleichbar sein würden – hohe Arbeitslosigkeit, Unterauslastung und entgangene Produktion und Ein- kommen würden die Folge sein. Churchill selbst hatte seine Zweifel an der Richtigkeit dieser Politik und meinte: „I would rather see finance less proud and industry more content.“9 Tatsächlich ist die Politik der Rückkehr zum Goldstandard letztlich ungeachtet großer Opfer für die Bevölkerung gescheitert – vor allem auch deshalb, weil trotz massiver Unterauslastung und wirtschaftlicher Depression das Preisniveau in Großbritannien pro Jahr nur um etwa 1% gesenkt werden konnte. Viel zu wenig, um beim künstlich überhöhten Wechselkurs wieder kon- kurrenzfähig zu werden. Und viel zu wenig, um die Finanzmärkte davon zu überzeugen, dass die britische Regierung diesen Kurs glaubwürdig dauerhaft verteidigen werde können. Daher musste Großbritannien im September 1931 unter dem Druck des Finanzmarktes den Goldstandard aufgeben. „Nobody told us we could do that“, jammerte damals ein Abgeordneter der Labour Party … Die Wirtschaftsgeschichte ist leider reich an Beispielen, wie ein starres 219 38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft