Der Euro – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Ewald Nowotny Einleitung Ich habe die Ehre und das Vergnügen, Günther Chaloupek seit Langem als Freund und Ökonomen zu kennen. Seine unbedingte Seriosität, Auf- richtigkeit und Geradlinigkeit haben mich stets beeindruckt, ebenso wie die Fundierung und die Vielzahl seiner Interessensgebiete, die weit über dem engen Bereich der Ökonomie auch Fragen der Geschichtsforschung und vielfältige kulturelle Interessen umspannen. Wohl gerade auf der Grundlage dieser breiten Wissens- und Interessensbasis hat sich Günther Chaloupek schon sehr früh mit Fragen der europäischen Integration und damit auch mit Fragen der Wirtschafts- und Währungsunion beschäftigt. Daran anknüpfend möchte ich im folgenden Beitrag einige Überlegun- gen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Euro präsentieren. Die Einführung des Euro war eine große logistische Herausforderung, die von den beteiligten Institutionen äußerst erfolgreich bewältigt wurde. Seit sei- nem Bestehen hat sich der Euro in einem oftmals widrigen wirtschaftlichen Umfeld bewährt und den Bewohnern des Euroraums wirtschaftliche Vor- teile gebracht. Die vergangenen Jahre waren von der schweren Wirt- schafts-, Finanz-, und Staatschuldenkrise geprägt, die aber keinesfalls – wie gelegentlich behauptet – eine Krise des Euro ist. Die Überwindung der Krise und die Schaffung eines institutionellen und regulatorischen Rah- mens, der Vorkehrungen trifft, dass sich ähnliche Entwicklungen nicht wie- derholen, wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Auch wenn der- zeit die Reaktion auf die jeweils aktuellen Probleme einen Gutteil unserer Aufmerksamkeit verlangt, darf darüber die langfristige Perspektive nicht vergessen werden. In diesem Zusammenhang ist es erforderlich Refor- men durchzuführen, die sicherstellen, dass der Euro weiterhin ein erfolg- reiches Projekt bleibt und die potentiellen Vorteile des Euro ausgeschöpft werden können. Um diese Aspekte näher zu beleuchten, werde ich im nächsten Abschnitt auf die wirtschaftlichen Effekte des Euro im ersten Jahrzehnt seines Bestehens eingehen. Anschließend werden die geldpolitischen Maßnahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken zur Krisenbe- 273 38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft