Eurokrise ohne Ende? Ewald Walterskirchen Einleitung Das Auseinanderdriften der Volkswirtschaften Nord- und Südeuropas war schon seit vielen Jahren erkennbar. Durch die Finanzkrise hat sich diese Entwicklung noch zugespitzt. Günther Chaloupek ist Mitherausge- ber eines Konferenzbandes über die Unterschiede der europäischen Wirt- schaftsentwicklung. Dieses Buch stellt die Probleme des Euro-Raums mit ihren vielen Facetten dar.1 Ich möchte hier die Divergenz der preislichen Wettbewerbsfähigkeit und der Leistungsbilanzen in den Vordergrund stel- len. Euro schützt Deutschland vor Aufwertung Die Europäische Währungsunion hatte einen gravierenden Geburtsfeh- ler: anhaltende Inflationsunterschiede zwischen den alten Weich- und Hartwährungsländern. Diese Unterschiede wurden zwar wesentlich klei- ner, verschwanden aber nicht völlig. Das hatte zwei Konsequenzen: Erstens verschlechterte sich die Wettbe- werbsfähigkeit der ehemaligen Abwertungsländer Südeuropas Jahr für Jahr. Zweitens waren die Realzinssätze in Südeuropa sehr niedrig, oft sogar negativ: Das verleitete zu hohen Krediten für Wohnungen (Spanien) oder Infrastrukturinvestitionen (Griechenland)2. Der Europäische Rat und die EU-Kommission konzentrierten sich auf die Einhaltung der Maastricht-Budgetkriterien. Sie brachten aber die hohen Budgetdefizite der südeuropäischen Länder nicht in Zusammen- hang mit den dahinter liegenden hohen Leistungsbilanzdefiziten. Das Kernproblem des Euro-Raums ist das Auseinanderdriften der preis- lichen Wettbewerbsfähigkeit über eineinhalb Jahrzehnte. In Deutschland waren die Preis- und Lohnsteigerungen weit niedriger als in Südeuropa. Selbst wenn die Gewerkschaften in den südeuropäischen Ländern mit höheren Inflationsraten nur eine Abgeltung der Inflation verlangten, führte dies zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Euro-Raum. 285 38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft