Arbeitsbeziehungen in Rot – Weiß – Rot Wolfgang Tritremmel Good practice erfolgreich weiterentwickeln! Die Arbeitsbeziehungen in Österreich sind ein komplexes Thema, das sich bei weitem nicht nur auf die Beziehungsebene in Unternehmen und auf Kollektivvertragsverhandlungen begrenzt. In Österreich, ähnlich den skandinavischen Ländern, sind die als korporatistisch bezeichneten Ar- beitsbeziehungen durch zentrale Interessenvertretungen und deren star- ke Einbindung in den politischen Entscheidungsprozess gekennzeichnet. Gerade in jüngster Zeit zeigte sich die intensive Mitwirkung der Sozial- partner bei den Reformschritten des Pensions- und des Gesundheitssys- tems. Bei aller grundsätzlichen Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft liegen die Auffassungen zur Problemlösung doch sehr weit auseinander. Immer wieder wird an gemeinsamen Strategien und Lösungen gearbeitet, wie etwa bei dem jährlich stattfindenden Bad Ischler Dialog der Sozialpart- ner. Ebenso in vielen Studien des Beirates für Wirtschafts- und Sozialfra- gen. Das Finden eines gemeinsamen Nenners am Weg zur politischen Umsetzung ist jedoch langwierig, schwierig und zeitaufwendig. Die massiven Veränderungen der letzten Jahre haben zu einem steigen- den Handlungsdruck geführt: • In Österreich: z. B. die steigende Kosten des Pensionssystems und des Gesundheitssystems, • in der Europäischen Union: z. B. die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt, • Global: z. B. aufstrebende Wirtschaftsräume wie China, Indien, Brasi- lien als neue Mitbewerber sowie der massive weltweite Konjunkturein- bruch. Diese Veränderungen müssten zu einer effizienteren Zusammenarbeit im Prozess der Arbeitsbeziehungen führen. Vorrangig geht es dabei um die Beschleunigung der Entscheidungs- und Konsensfindungsprozesse! Veränderungsprozess erfordert Entscheidungsfreudigkeit Diese Herausforderung ist anzunehmen, will man Nachteile für die jeweili- gen Mitglieder vermeiden und die Mitwirkungskompetenz im politischen 419 38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft