BÜCHER Zu den Ursachen und Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise Rezension von: Markus Marterbauer, Zahlen bitte! Die Kosten der Krise tragen wir alle, Deuticke, Wien 2011, 255 Seiten, D 17,90. „Zahlen bitte!“ ruft der Gast in einfachen Lokalen, wenn er seine Konsumation bezahlen möchte. Der Untertitel von Marterbauers Buch: „Die Kosten der Krise tragen wir alle“ lässt jedoch zunächst vermuten, dass damit eher der Ausruf des Wirts gemeint ist, wenn der Gast sich aus dem Lokal davonstehlen will. Demge- mäß beginnt auch Kapitel 1 („Wer trägt die Kosten der Krise?“) mit der Frage: „Ist es angemessen, die Steuerpflichtigen in Österreich für die Staatsschuldenkrise in Griechenland, Irland und Portugal zahlen zu lassen?“ (S. 9; meine Hervorhebung, G.T.) – Die Österreicher drängen sich offenbar nicht, die (fremde) Rechnung zu bezahlen; die Verursacher sollten das tun. Verursacher wären jedoch, betont Marterbauer, nicht die Arbeitslosen in diesen Ländern, sondern „ein ineffizientes Steuererhebungssystem, aufgeblähte Büro- kratie und Budgettricks in Griechenland; ein Bankensystem, das sich hemmungs- los auf dem Immobilienmarkt verspekulierte und nur noch durch Staatskapital ge- rettet werden konnte, in Irland; fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Portugal; der Zusammenbruch des Immobilienbooms in Spanien.“ (S. 10) Das ist unbestreitbar richtig. „Wichtiger waren“, fährt Marterbauer fort, „andere Phänome- ne: Geprägt von einem Herdentrieb, setzte sich bei den Finanzmarktakteuren schlagartig die Meinung durch, die Schulden könnten nicht zurückgezahlt wer- den, deshalb stiegen die Kosten der Versicherung von Staatsanleihen und die Zinssätze … Angesichts der Höhe der Staatsschuld und der schlechten wirt- schaftlichen Aussichten war damit die Rückzahlungsmöglichkeit tatsächlich nicht mehr gegeben. Die Staatsschuldenkrise ist in erheblichem Ausmaß eine sich selbst erfüllende Prophezeiung der vom Herdentrieb geprägten spekulativen Fi- nanzmärkte.“ (S. 10) – unbestreitbar eine gleichfalls wichtige Ursache, doch eher der Finanz- als der Schuldenkrise. Kapitel 2 („Liberalisierung und Ungleichheit: Verursacher der Finanzkrise“) wendet sich der Finanzkrise zu und beschreibt in klarer, für den anvisierten breite- ren Leserkreis verständlicher Form deren Ursachen: mangelndes Risikobewusst- sein vor allem der US-Banken, unrealistische Ertragswünsche der Anleger und Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte. Marterbauer hält jedoch die zuneh- mende Ungleichheit der Verteilung von Einkommen und Vermögen, die weltwirt- schaftlichen Ungleichgewichte und die Deregulierung der Finanzmärkte für tiefer liegende wahre Ursachen. Als anhaltende Folgen sieht er hohe Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung 464 Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2