lungen bündeln, sondern folgen insge- samt drei unterschiedlichen Stoßrich- tungen: • Bedeutung wesentlicher krisenbe- stimmender Elemente in der keynesia- nischen Theorie: Dabei steht zweifelsohne die Veror- tung der Bedeutung der internationa- len Finanzmärkte im Vordergrund. Jür- gen Krompardt analysiert in seinem Beitrag die Entwicklung internationa- ler Finanzmärkte vor diesem Hinter- grund und verdeutlicht deren Position in den Zeiten von Keynes. Dabei macht er klar, dass die „General Theory of Employment, Interest and Money“ eben nicht als Krisentheorie konzipiert ist, sondern als allgemeine Theorie (S. 28). Direkt an der Bedeutung der Finanz- märkte schließt auch der Beitrag von Eckhard Hein und Achim Truger an. Zum einen verdeutlichen die beiden Autoren die Bedeutung der steigenden Finanzialisierung der Ökonomie, die durch die Liberalisierung der internatio- nalen Finanzmärkte in Gang gesetzt wurde. Zum anderen verweisen die beiden Autoren jedoch auch auf die Bedeutung der Einkommensverteilung und zeigen, dass dieser Aspekt in der „General Theory“ selbst zu kurz kommt, heutzutage jedoch einen we- sentlichen Faktor für die herrschende Finanz- und Wirtschaftskrise darstellt. Den historischen Bogen zwischen den ökonomischen Möglichkeiten zu Zeiten von Keynes und der heutigen wirtschaftlichen Lage spannt Harald Hagemann, indem er den Beitrag von John Maynard Keynes aus dem Jahr 1930 „Economic Possibiities for our Grandchildren“ ins Zentrum seiner Analysen stellt. • Abgrenzung vom ökonomischen Mainstream: Während Jürgen Kromphardt in sei- nem Beitrag um eine historische Aufar- beitung der Finanzkrise der 1930er- Jahre bemüht ist und im Zuge dessen auch die Position der neukeynesiani- schen Makroökonomie am Ende des Beitrags kurz reflektiert, widmet sich Peter Spahn in seinem Beitrag ganz der Kritik an der neukeynesianischen Makroökonomie. Seine Kritik baut auf der Tatsache auf, dass die konzeptio- nelle Entstehung von Krisen nicht aus- reichend in der Theorie verankert wird (S. 54). Daher, so schließt Spahn, kann auch der nunmehr stark propagierte Ansatz der neukeynesianischen Ma- kroökonomie, der u. a. auch von No- tenbankern wie Ben Bernanke vertre- ten wird, nicht zu einem adäquaten Umgang mit der derzeitigen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise führen. Neben Peter Spahn widmen sich auch Schettkat und Sun, sowie Heinz Kurz der Abgrenzung der keynesiani- schen Theorie von der Mikrofundie- rung der neukeynesianischen Makro- ökonomie. • Deutung der Wirtschaftspolitik nach der Krise in der Richtung einer keynesianischen Wirtschaftspolitik: Während sich die oben genannten Beiträge auf einer theoretischen Ebe- ne mit den konzeptionellen Schwä- chen des modernen Bildes des Neu- keynesianismus auseinandersetzen, widmet sich eine weitere Argumenta- tionslinie des Sammelbandes dem wirtschaftspolitischen Wandel durch den Ausbruch der Finanzkrise von 2008 und der Reflexion der neukeyne- sianischen Wirtschaftspolitik. In diesem Zusammenhang äußert sich Oliver Landmann weitaus modera- ter in seiner Kritik als beispielsweise Peter Spahn, indem Landmann die Po- larisierung zwischen nachfrageseitiger 476 Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2