im Nachhinein korrigierbar. Immobilienvermögen auf Basis vermuteter Preisungleichgewichte von vornherein „hinauf- und hinunterzurechnen“ würde der Datenmanipulation Tür und Tor öffnen. Ein weiteres zentrales Missverständnis in dieser Debatte liegt in der Definition von Vermögen. Hier gibt es in der Ökonomie keine völlige Einigkeit, üblich ist aber die Definition, dass Vermögen übertragbar, be- lehnbar und in weitem Sinne liquide sein muss. Das bedeutet, man soll es verschenken, zur Sicherstellung eines Kredites verwenden und in vernünftiger Zeit in Bargeld umwandeln können. Aus diesem Grund sind etwa Pensionsansprüche an das Umlageverfahren kein Privatver- mögen, denn die können nicht einfach an Kinder verschenkt oder an Dritte verkauft werden, um mit dem Geld auf Urlaub zu fahren. Deswe- gen können diese Ansprüche nicht einfach zu dem vorhandenen Pri- vatvermögen addiert werden, wie es die kürzlich erschiene Studie von IHS-Chef Christian Keuschnigg zur Besteuerung der Vermögen tat. Noch dazu in der Form, dass die fiktiven Pensionsansprüche addiert, aber die tatsächlich geleisteten Beiträge ins System nicht angerechnet werden. Ein funktionierender Sozialstaat stellt Pensionen über das Umlage- system, Mietwohnungen im sozialen Wohnbau und Gesundheitsver- sorgung durch die Krankenversicherung zur Verfügung. Bei gleichem Lebensstandard und gleicher Sicherheit gegenüber Unfall, Krankheit und Arbeitslosigkeit können Menschen in einem ausgebauten Sozial- staat daher geringeres Vermögen besitzen. Deswegen stellt der funk- tionierende Sozialstaat durchaus einen Ausdruck gesellschaftlichen Reichtums dar, aber eben kein privates Vermögen im engeren Sinn. Aus der Tatsache, dass in manchen Ländern diese Vorsorge bei jenen, die es sich leisten können, durch private Sparguthaben erfolgt, kann man außerdem nicht schließen, dass ein fehlendes Sozialsystem den Vermögensaufbau erleichtert. In den USA können die unteren Einkommens- und Vermögensgruppen trotz der dort im Durchschnitt niedrigeren Abgabenquote keine großen Vermögen anhäufen, um ein löchriges soziales Netz zu ersetzen; sie sind im Gegenteil meist ver- schuldet. Historisch ist nicht das individuell angesparte Vermögen die Versicherung gegen soziale und gesundheitliche Risiken, sondern der – in der heutigen Zeit immer brüchiger werdende – Familienverband, vor allem in vermögens- und einkommensärmeren Gruppen. Etliche KommentatorInnen schlossen aus der falschen Interpretation der Daten in den Zeitungen, dass den Daten aus der Vermögenserhe- bung grundsätzlich nicht zu trauen sei. Dieser Schluss folgt einem poli- tischen Interesse. Denn bereits die ersten Resultate der EZB liefern bri- sante Erkenntnisse. So ist das Vermögen innerhalb der Eurozone über alle Ländergrenzen hinweg extrem ungleich verteilt. Die unteren 20% 121 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft