haben kein (positives) Nettovermögen, die unteren 50% besitzen zu- sammen in den untersuchten Eurozonen-Ländern nur 6% des gesam- ten Nettovermögens. Österreich ist noch ungleicher als die gesamte Eurozone: In Österreich hat die unteren Hälfte der Gesellschaft weni- ger als 4% des Nettovermögens. Das gleiche Bild von extremer Ungleichheit zeigt sich aber auch am oberen Ende der Vermögensverteilung: Die vermögensreichsten 5% besitzen über alle Länder 37% des gesamten Nettovermögens, in Ös- terreich besitzen sie über 45%. Ist die Verteilung von Vermögen in der Eurozone damit schon sehr ungleich, ist die Vermögensverteilung in Österreich noch ungleicher. Österreich hat gemeinsam mit Deutsch- land einen der höchsten Gini-Koeffizienten der Eurozone. Dieses Maß der Ungleichheit – der Wert null bedeutet, alle haben gleich viel, der Wert eins, ein Haushalt besitzt alles – liegt in Österreich bei 0,76 im Vergleich zu 0,68 über alle untersuchten Länder. Im Vergleich zur Einkommensverteilung ist somit die Ungleichvertei- lung bei den Vermögen in allen untersuchten Eurozonen-Ländern deut- lich höher. Das ist das Überraschende an diesen neuen Daten: wie ähnlich sich die Länder in ihrer Ungleichverteilung sind. Die vermö- gensreichen Gruppen waren in allen Ländern in der Lage, den weitaus größten Teil des Vermögens auf sich zu vereinen, während die vermö- gensarme Hälfte in allen Ländern, in Zypern und Malta wie in Deutsch- land und Österreich, nur einen sehr geringen Teil des Vermögens be- sitzt. Eine abschließende Bewertung der Einkommens- und Vermögens- verteilung und deren Entwicklung in der Krise ermöglichen die vorlie- genden Daten sicherlich noch nicht. In einer Reihe von Staaten hat sich die wirtschaftliche Lage seit 2010 eher verschlechtert als verbessert. Europa ist 2012 neuerlich in die Rezession geraten und findet Anfang 2013 auch nicht heraus. Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren stark angestiegen und damit auch die Langzeitarbeitslosigkeit und die Armut. Viele Menschen haben ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld in- zwischen aufgebraucht. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit stieg in der Krise in bisher unvorstellbare Höhe. Bei rund 24% lag sie im März 2013 in der EU, mit Spitzen von 59% bzw. 56% in Griechenland bzw. Spanien und nur zwei Mitgliedstaaten (Deutschland und Österreich) mit Raten unter 10%. Damit werden die Sozialsysteme der Länder in Zu- kunft noch stärker gefordert, die auseinanderlaufende Ungleichheit auszugleichen. Die Frage ist, ob sie dazu genügend Mittel haben wer- den. Denn sie kommen selbst immer stärker unter Spardruck. Ab dem Jahr 2011 wurde die Budgetpolitik von Konjunktur- auf Sparprogramme umgestellt. Die anhaltende Arbeitslosigkeit und die Sparmaßnahmen in vielen Staaten lassen befürchten, dass sich das Risiko für Armut und 122 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2