Postkeynesianische Alternativen in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik: Lösungsvorschläge zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise Elisabeth Springler Das mittlerweile vergangene sechste Jahr des Krisenmanagements, das sich von einer liberal geprägten Politik des europäischen Sparens eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erhofft, hat einmal mehr gezeigt, dass eine derartige wirtschaftspolitische Vorgangs- weise nicht zu einer Überwindung der europäischen Krise – weder für EU- Institutionen noch für die Wirtschaftslage der einzelnen Mitgliedsstaaten – beiträgt, sondern diese verschlimmert. Jüngstes Beispiel eines Landes, das die Liga der schwachen Staaten des europäischen Südens verstärkt, ist Zypern, dessen Bankenkrise einmal mehr nach einer durchgängigen europäischen Lösung und Alternative zur gängigen Politik ruft. 1. Einleitung Vor diesem Hintergrund widmet sich der vorliegende Beitrag Alternati- ven in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, die aus dem postkeyne- sianischen Theorieansatz entspringen und damit ein Gegen- oder Alterna- tivkonzept zur neoliberalen Wirtschaftspolitik Europas darstellen. Bewusst wird dabei der Plural gewählt: postkeynesianische Alternativen. In zahlrei- chen wirtschaftspolitischen Bereichen zeigt sich der postkeynesianische Ansatz nicht als eine in sich geschlossene und modell-konzeptionistisch einheitliche Modellwelt, sondern gibt konkrete wirtschaftspolitische Hand- lungsempfehlungen, die einen räumlichen und historischen Bezug aufwei- sen, das heißt, sie sind für bestimmte Regionen oder Staaten in dem je- weiligen spezifischen historisch-institutionellen Rahmen zugeschnitten. Das bedeutet nicht, dass dadurch keine allgemein gültigen Handlungs- empfehlungen abgeleitet werden können. Es sind Muster ableitbar, die konkrete Ausgestaltung wird jedoch durch die spezifischen herrschenden institutionellen Rahmenbedingungen mitbegründet. Damit entfällt die un- 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 125