lungstheorie in Großbritannien vorangetrieben, während in den USA vor allem monetäre Themen – der Ansatz des endogenen Geldes – diskutiert werden. Wesentlich dabei sind zunächst die Arbeiten von Sidney Wein- traub und in weiterer Folge Paul Davidson und Basil Moore.16 Neben An- sätzen zum endogenen Geld finden auch Konzeptionen zum Arbeitsmarkt eine weitere Vertiefung, dabei wird im makroökonomischen Zusammen- hang die Verbindung zwischen Fragen der Beschäftigung und der Vertei- lung geknüpft – sowohl der personellen, als auch der funktionalen.17 Fragen des Arbeitsmarktes und der Lohnpolitik erweisen sich durch das keynesianische Ziel einer Verringerung der Arbeitslosigkeit als Wesent- lich; nachdem jedoch hier eine starke Interdependenz zum Gütermarkt postuliert wird, erweist es sich als konzeptionell schwierig den Arbeits- markt als eigenen Markt analytisch darzustellen. Vielleicht auch aus dem Grund der eingeschränkten graphischen Darstellbarkeit, treten die wirt- schaftspolitischen Analysen und Diskussionen im Vergleich zu anderen postkeynesianischen Fragestellungen in den Hintergrund.18 Demgegenüber rücken geldtheoretische und -politische Fragestellun- gen zu diesem Zeitpunkt immer mehr in den Vordergrund, nicht zuletzt durch die fortschreitende Liberalisierung am Bankensektor, sowie freie Kapitalmobilität. Damit wendet sich der Postkeynesianismus auch gegen die hegemoniale Vormachtstellung der USA. Im Zentrum der Analyse steht die Frage der Bedeutung des Einflusses der Notenbank für die Entwicklung der Geldmenge in einer Volkswirt- schaft. Im Rahmen der standardökonomischen Analyse werden der No- tenbank die Macht, das Wissen und die vollkommene Steuerbarkeit der Geldmenge19 unterstellt. Somit kann der Geldschöpfungsprozess der Ge- schäftsbanken etwa in konjunkturellen Abschwüngen durch eine expansi- ve Geldpolitik (durch eine direkte Erweiterung der Geldmenge oder eine unmittelbare Senkung der Zentralbankzinsen) zu einer Überwindung der Krise beitragen. Damit wird die Geldmenge exogen durch die Notenbank gesteuert und es ergibt sich eine vertikale Geldangebotsfunktion – die damit vollkommen unelastisch auf Zinsänderungen reagiert. Jegliche Än- derungen der Geldmenge ergeben sich durch eine von außen veränderte Geldpolitik der Notenbank, die auf die hierarchisch nachgeordneten Ak- teurInnen Geschäftsbanken und UnternehmerInnen/Haushalte als Inves- torInnen trifft. Investitionsentscheidungen werden daher aufgrund des Angebots an Zentralbankgeld, das durch die Geschäftsbanken weiterge- geben wird, getroffen. Soweit der standardökonomische Ansatz. Demge- genüber geht der postkeynesianische Ansatz von den Investitionsent- scheidungen der UnternehmerInnen/Haushalte als Anfangspunkt aus. Diese Investitionsentscheidung mündet in einer Kreditnachfrage, die die InvestorInnen an die jeweilige Geschäftsbank herantragen.20 Diese prüft die Möglichkeit der Kreditvergabe und entscheidet, nach Maßgabe regula- 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 131