die reale Bedeutung der Investitionen (unter anderem auch die Frage, in welche Form von Investitionen die Gelder fließen) nicht in die Konzeption integriert25 sind. Diese steigende Bedeutung der Realwirtschaft und der Mangel einer genaueren Analyse der Form von Investitionen lässt nun einen weiteren Begriff „financialization“ und damit die Frage einer Ab- oder Entkoppelung der Realwirtschaft von der Geldwirtschaft als wesentlich für die postkeynesianische Analyse erscheinen. Dabei lassen sich laut Orhangazi ([2008] 41f) drei Argumentationslinien zur Erklärung des Finan- zialisierungsprozesses unterscheiden. Zum einen werden diese in eine langfristige strukturelle Analyse des Kapitalismus aus historischer Warte eingebettet, zum anderen werden die Veränderungen durch neoliberale Wirtschaftspolitiken seit den 1980er-Jahre zugrunde gelegt und die darauf aufbauenden strukturellen Veränderungen analysiert. Einen weiteren An- satzpunkt stellt die sich im Zeitablauf wandelnde Rolle des Finanzsektors und der Regulierung im Hinblick auf nicht-finanzielle Unternehmen dar. Die im Rahmen dieses historischen Abrisses genannten Themen für An- sätze zu wirtschaftspolitischen Alternativen zeigen auch, dass der Post- keynesianismus, wenn auch nicht in sich konsistent als ein Modell formu- liert, so dennoch konsistent in Bezug auf die theoretischen Eckpfeiler der Konzeption ist. Maßnahmen für alle Stufen des Ablaufs der derzeitigen Fi- nanz- und Wirtschaftskrise können abgeleitet werden. Diese werden im Folgenden dargestellt. 3. Finanzmärkte in der Krise und die Frage der Regulierung Der erste Schritt in der derzeitigen globalen Wirtschaftskrise war der Ausbruch der Finanzkrise in den USA im Laufe des Jahres 2008, der nur wenige Monate später auch Europa traf. Im Rahmen der standardökonomischen Analyse wird ein derartiger kon- junktureller Einbruch häufig auch als kurzfristige Wertberichtigung an- gesehen, nach der liberale Märkte den unverzerrten Gleichgewichtspreis finden. Man geht von einer Effizienz des Kapitalmarktes aus.26 Dement- sprechend berufen sich die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu einer Verbesserung der Lage vor allem auf Transparenzsteigerungen und Infor- mationssteigerung am Markt, sodass ein möglichst ökonomisch perfekter Markt erscheinen soll. Diese Maßnahmen sollen das Vertrauen am Markt erhöhen und damit durch Selbstregulierung zu einer Disziplinierung unre- gulierter Märkte beitragen. Die postkeynesianische Alternative bezieht sich hingegen auf eine star- ke institutionelle Absicherung der Finanzmärkte, wodurch ein stabileres Umfeld geschaffen werden kann. Nachdem Unsicherheit – im Postkeyne- sianismus als fundamentale Unsicherheit wahrgenommen – nicht durch fi- Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2 134