werden, sofern die bestehenden Ungleichgewichte zwischen Überschuss- und Verschuldungseinheiten nicht nivelliert werden können. Bei einer ge- naueren Betrachtung kann jedoch zwischen diesen beiden postkeynesia- nischen Ansätzen eine konsistente Vorgangsweise gefunden werden. Zum einen gilt es, Ungleichgewichte zu überwinden und zum anderen wird verdeutlicht, dass auch im Rahmen des functional finance nicht automa- tisch von einem dauerhaften Defizit des öffentlichen Sektors ausgegan- gen wird, sondern, dass es sich vielmehr um einen Kontrapunkt zur beste- henden Spardoktrin des ökonomischen Mainstream handelt: „… But if one promotes a balanced budget as an end in itself – as the ‚right‘ thing to do – it becomes ‚irresponsible‘ to do otherwiese, despite potential effects and te sacrifice of macro goals. This is not consistent with the principle of functio- nal finance. It is best referred to as dysfunctional finance.“43 Damit lassen sich aus postkeynesianischer Perspektive zwei wichtige Richtungen als wirtschaftspolitische Alternativen ableiten: Zum einen muss unmittelbar fiskalpolitisch eingegriffen werden und die effektive Nachfrage gesteigert werden. Die Suche nach einer fiskalischen Disziplin in Krisen- zeiten ist nicht effektiv. Vielmehr lässt sich als weitere wirtschaftspolitische Stoßrichtung die Suche und Analyse von ökonomischen Ungleichgewich- ten identifizieren. Überschusseinheiten bedingen Verschuldungseinheiten – daher ist die Suche nach Ungleichgewichten und damit die Verteilungs- frage im Zentrum der Analyse und zeigt damit, angesichts der Entwicklung der letzten Jahre in Europa, dass diese Diskussion wesentlich ist für die Lösung von realwirtschaftlichen ökonomischen Problemen. 5. Die Realwirtschaft in der Krise und die Verteilungsfrage Wie bereits eingangs erwähnt, ist eine räumliche Analyse wesentlich und wendet sich gegen die a-räumliche Darstellung des ökonomischen Mainstream. Obwohl die strukturell-institutionelle Diskussion im Postkey- nesianismus die individuelle Situation von Staaten und Regionen ins Zen- trum rückt, bleibt vor einem theoretischen Hintergrund eine geografische Analyse zumeist unbeachtet. Hier greift der Postkeynesianismus unter an- derem auf die Diskussionen von Gunnar Myrdal44 zurück, der in einer re- gionalen Entwicklung nicht immer nur positive Umlandeffekte sieht, son- dern auch negative regionalwirtschaftliche Effekte ausmacht. Verbindet man die Aspekte der räumlichen ökonomischen Untersu- chung mit Fragen der ungleichgewichtigen Entwicklung, lassen sich die postkeynesianischen Analysen in Fragen der personellen und der funktio- nalen Einkommensverteilung unterscheiden. Vor allem im Bereich der Entwicklung der funktionalen Einkommensverteilung wird die Verbindung zur Erklärung steigender Disparitäten in Europa geschaffen.45 Hein/Tru- Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2 142