Tabelle 1: Schuldenstand in % des BIP USA 1981 2008 Unternehmen 53 76 Finanzinstitutionen 22 117 Private Haushalte 48 100 Privater Sektor 123 293 Staat 41 76 Insgesamt 164 369 Quellen: privater Sektor: Roubini (2010) 118f, Staat: IMF. Der Anstieg des gesamtwirtschaftlichen Schuldenstands3 hat seit Rea- gans Deregulierungspolitik eine neue Dimension erreicht. Die Ersparnis- se, die dieser Kreditausweitung zugrunde liegen, stammen jedoch weitge- hend aus Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen. Im Allgemeinen wirken sich Kredite positiv auf die Wirtschaftsentwick- lung aus, und zwar dann, wenn sie gut abgesichert sind und die Schulden- quote unter einer kritischen Grenze bleibt.4 Beides war in den USA nicht der Fall. Die Schuldenquote der Banken und Privathaushalte übertraf die magische 100%-Marke, und das Platzen der Immobilienpreisblase brach- te die Kreditsicherheiten ins Wanken. Es kam zu Nachschussforderungen und Notverkäufen. 2.1 Sparneigung geht weltweit über Investitionschancen hinaus Die Finanzkrise war im Kern die Folge einer langfristig überzogenen Ak- kumulation von Finanzvermögen,5 die eine Überschuldung durch riskante Kredite nach sich zog. Die Banken versuchten, mit allen erdenklichen und dubiosen Finanzinnovationen potenzielle Kreditnehmer in der ganzen Welt für die überschüssigen Ersparnisse zu finden. In den USA wurden privaten Hauskäufern Kredite durch spezielle Konditionen förmlich aufge- drängt. Die Kumulierung von Finanzierungsüberschüssen über Jahrzehn- te bildete somit das Ausgangsmaterial für die Finanzkrise. Bereits im Jahr 1943 sah Keynes voraus, dass es in einigen Jahrzehnten eine Phase der wirtschaftlichen Entwicklung geben werde, in welcher die profitablen Investitionsprojekte nicht mehr an die hohen Ersparnisse der privaten Haushalte heranreichen würden.6 Genau das konstatierte Ber- nanke, als er über eine weltweite Sparschwemme schrieb. Diese „savings glut“ ist heute auf Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen konzentriert (China, erdölproduzierende Länder, Deutschland). Infolge der hohen Sparneigung in den Überschussländern und der rela- tiv mäßigen Investitionsbereitschaft der Unternehmen in den Industrielän- 155 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft