dern sinken die langfristigen Zinssätze seit den Achtzigerjahren nahezu dramatisch. Der langfristige Rückgang der Zinssätze hängt weniger mit der expansiven Geldpolitik der USA als vielmehr mit dem weltweiten Spar- überschuss zusammen. Wenn „überzogene Staatsausgaben“ im Vorfeld der Finanzkrise dominiert hätten, dann hätte dies einen Anstieg der Zins- sätze zur Folge haben müssen. Der Rückgang der Zinssätze verringerte zwar die Last der Kreditrück- zahlungen beträchtlich. Der steigende Schuldenstand erhöhte jedoch die Unsicherheit bei konjunkturell anziehenden Zinssätzen enorm. 3. Zunehmende Ungleichheit der Einkommen fördert Finanzkrisen Die Einkommensungleichheit hat vor allem in den USA seit den Siebzi- gerjahren dramatisch zugenommen. Dazu trug die Explosion der Manager- gehälter und Bonuszahlungen entscheidend bei. Vorstandsdirektoren und Aufsichtsratspräsidenten schoben sich wechselseitig Millionen zu – ein Auswuchs des wirtschaftlichen Liberalismus seit der Reagan-Thatcher-Ära. In den USA verfügte das oberste Prozent der Haushalte 1976 über 8,9% der Einkommen. Dieser Anteil stieg bis 2007 fast auf das Dreifache: 23,7%.7 Diese Bezieher von Spitzeneinkommen suchen riskante Anlagen, weil sie die Gier treibt und sie das Geld nicht zum Leben brauchen. Für die mittleren und unteren Einkommen ist das Netto-Realeinkommen seit Jahr- zehnten nicht mehr gestiegen. Sie versuchen, ihren Lebensstandard durch Kredite zu halten bzw. zu verbessern. Rajan wies darauf hin, dass vor der Großen Depression billige Kredite an Landwirte, die von sozialem Abstieg bedroht waren, eine ähnliche Rolle spielten. „Excessive rural credits was one of the important causes of bank failures during the Great Depres- sion.“8 Die dramatische Zunahme der Einkommensunterschiede in den USA trug wesentlich zum rasanten Tempo des Schuldenaufbaus der privaten Haushalte und damit zum Ausbruch der Finanzkrise bei. Kumhof und Ran- ci?re konnten zeigen, dass nicht nur 1983-2008, sondern auch im Jahr- zehnt vor der Großen Depression (1920-1929) die Einkommensungleich- heit und Verschuldung der Privathaushalte stark angestiegen sind.9 In den zwei Jahrzehnten nach der Weltwirtschaftskrise kam es dann zu einer starken Verringerung der Spitzeneinkommen. Ein solcher Rückgang sollte auch jetzt wieder erreicht werden, um einen Neustart der Kredite zu ermöglichen. Eine exzessive Haushaltsverschuldung kann durch Umverteilungspolitik zur Sicherung des Lebensunterhalts in unteren Einkommenskategorien sowie durch sozialen Wohnungsbau verhindert werden. 156 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2