Ein erster Schritt zur Begrenzung der Spitzeneinkommen ist jetzt in der EU gelungen: Die Bonuszahlungen werden auf maximal das Doppelte der Jahresgehälter begrenzt. Der Widerstand der liberalen Briten gegen eine Begrenzung der Bonuszahlungen konnte gebrochen werden. 4. Dauerhafte Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen Seit einigen Jahrzehnten gibt es hohe und anhaltende Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen, d. h. eine dauerhafte Aufteilung in Gläubiger- und Schuldnerstaaten. China, Deutschland und die erdölproduzierenden Län- der weisen hohe Überschüsse auf. Die USA, Großbritannien und Südeu- ropa haben hohe Defizite. Es gibt keinen Ausgleichsmechanismus, keine Tendenz zu einem Gleichgewicht: Die Wechselkurse gleichen den Handel zwischen USA und China nicht aus, der Euro verhindert eine Aufwertung in Deutschland, und der langfristig steigende Rohölpreis beschert den erd- ölproduzierenden Ländern anhaltende Überschüsse. Es fehlt seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems eine internationale monetäre Ord- nung. Die Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen waren zwar nicht der un- mittelbare Auslöser der Finanzkrise, sie trugen aber zur Hypertrophie des Finanzsektors bei. Obstfeld und Rogoff argumentieren, dass die globalen Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen seit 2000 und die weltweite Fi- nanzkrise eng zusammenhängen.10 Die Überschussländer weisen sehr hohe Ersparnisse auf, für die Anlagemöglichkeiten in der ganzen Welt ge- sucht werden. Wohlhabende Länder haben „normalerweise“ Leistungsbilanz- bzw. Sparüberschüsse, die sie in Schwellenländern anlegen. Heute streben je- doch die Schwellenländer in Südostasien Überschüsse an, weil sie nach den Erfahrungen der südostasiatischen Finanzkrise nie wieder vom IMF abhängig werden wollen. Wenn Staaten auf Kredite des IMF (oder der Troika) angewiesen sind, dann verlieren sie ihre nationale Souveränität. Eine solche Schmach und soziale Not im Gefolge der erzwungenen Au- steritätspolitik zu verhindern, muss das oberste Ziel der Wirtschaftspolitik sein. China ist politisch nicht bereit, den Wechselkurs gegenüber dem Dollar stärker anzuheben, und Deutschland ist durch den Euro vor einer (natio- nalen) Aufwertung geschützt. Die Leistungsbilanzüberschüsse und -defi- zite erhalten damit einen dauerhaften Charakter. In ökonomischer Diktion können die anhaltenden Leistungsbilanz- Ungleichgewichte als „Ungleichheit zwischen den Nationen“ interpretiert werden, die nicht durch einen Preismechanismus (Wechselkurse) ausge- glichen wird. 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 157