Kataster als Ausgangspunkt einer flächendeckenden Liegenschaftsbewertung Gerhard Muggenhuber, Reinfried Mansberger, Gerhard Navratil, Christoph Twaroch, Reinhold Wessely 1. Einleitung Informationen über Liegenschaftswerte sind eine wesentliche Steue- rungs- und Entscheidungsgrundlage für eine optimierte Nutzung der Res- source Land. Die öffentliche Verwaltung benötigt dieses Wissen in ihrer Rolle als Eigentümer und Akteur am Liegenschaftsmarkt, aber vor allem zur Erfüllung der folgenden Grundfunktionen:1 • Entscheidungen über die optimale Ressourcenallokation, vor allem bei Infrastruktur, Bodenpolitik und Raumplanung durch Daten über Änderungen bei Demografie, Wohnraumbedarf, Flächenverbrauch und Liegenschaftswerten durch Umwidmungen oder durch Marktef- fekte. • Entscheidungen zur Sozial- und Verteilungspolitik inklusive der Besteuerung von Bestand, Transfer bzw. Wertzuwachs des Immobi- lienvermögens (Distributionsfunktion). • Gesetze, Normen und Regeln für einen funktionierenden Markt (Ord- nungsfunktion). • Marktstabilisierende Eingriffe des Staates (Stabilisierungsfunktion) zur Verbesserung der Informationssymmetrie und Erhöhung der Transparenz auf den Immobilienmärkten. Dazu zählen auch EU-weite Maßnahmen wie die Einführung des Energieausweises für Immobi- lien, die Veröffentlichung von Immobilienpreisspiegeln, Bodenricht- werten und Immobilienindizes. Das Wissen um die Liegenschaftswerte und deren räumliche und zeitli- che Referenz ist daher als allgemeine Infrastruktur im öffentlichen Interes- se zu sehen, die zum volkswirtschaftlichen Kapitalstock gerechnet werden kann, genauso wie die räumlichen Informationen über Liegenschaftsob- jekte (Kataster) und die damit verknüpften Rechte (Grundbuch und öffent- lich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen – ÖREB). 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 167